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Schulpflicht abschaffen!
05.11.2008  
Fast acht Prozent der Schüler verlassen in Deutschland jedes Jahr die Schule nach der Sekundarstufe I ohne Schulabschluss. Für die Betroffenen ein Einstieg in die Perspektivlosigkeit.

Im Jahr 2006 haben 76.000 junge Menschen in Deutschland die Schule verlassen, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Dies entsprach einem Durchschnitt von 7,9 Prozent. Häufig ist das der Anfang einer Verwahrpolitik sondergleichen. Denn die Schulpflicht besagt zwar, dass in NRW nach zehn Jahren Schule weiter eine Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr besteht. Das bedeutet aber nicht, dass diesen jungen Menschen eine wirkliche Chance gewährt wird, ihren Abschluss nachzuholen!

Eine wirkliche Erfüllung dieser Berufsschulpflicht setzt voraus, einen der Plätze in den Berufsschulbildungsgängen zu ergattern, mit dem auch ein weiterer Abschluss erlangt werden kann. Alternativ ist natürlich der Einstig ins duale System möglich, wenn man einen Ausbildungsplatz hat.

Die dbb jugend nrw fordert die Abschaffung der Schulpflicht zugunsten einer Schulabschlusspflicht
Foto: © by Arturo Mejia Dominguez / photocase.com
Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Ohne Schulabschluss ist es bekanntermaßen sehr schwierig, an einen Ausbildungsplatz zu kommen. An den Berufskollegs in NRW wiederum sind nicht genügend Plätze in den Bildungsgängen vorhanden, in denen ein weiterer Abschluss erlangt werden kann. Stattdessen werden diese jungen Menschen zur Erfüllung ihrer Schulpflicht in so genannten „Auffangklassen“ geparkt. Hier ist keine wirkliche Qualifizierung vorgesehen!

Zwar schaffen es einige dieser Gestrandeten, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen, zum Beispiel durch Programme der Volkshochschulen, Abendschulen oder der Bundesagentur für Arbeit. Doch 2,4 Prozent dieser Schüler bleiben dauerhaft ohne Schulabschluss. Dramatisch ist dabei, dass keine Besserung in Sicht ist. Vielmehr hat sich diese Quote seit dem Jahr 2000 sogar noch leicht erhöht.

Es erscheint daher unverständlich, warum man junge Menschen in Berufskollegs unterrichtet, wenn man gar nicht das Ziel hat, ihnen durch einen Schulabschluss den Einstieg in eine Ausbildung zu ermöglichen. Es überrascht nicht, dass die Schüler/innen solcher Verwahranstalten kaum zu motivieren sind und häufig fehlen. Junge Menschen, denen offiziell bescheinigt wird, dass sie lediglich ihre Zeit absitzen sollen, klinken sich aus.

Die dbb jugend nrw fordert die Abschaffung der Schulpflicht und die Einführung einer Schulabschlusspflicht auf der allgemeinbildenden Schule. Schüler/innen, deren Motivation nicht hoch ist, dürfen nicht die Möglichkeit haben, nach Erfüllung der Schulpflicht ohne Abschluss von der Schule zu flüchten. Mit gezielter Förderung kann bis auf wenige Ausnahmen jeder Schüler seinen Hauptschulabschluss erreichen. Dies muss außerdem damit einhergehen, dass für jeden, der sich in Bildungsgängen bewirbt, auch ein Platz bereit gestellt wird, damit er sich weiter für den Arbeitsmarkt qualifizieren kann.

Ein Schulabschluss stellt heutzutage die Mindestanforderung dar, um den Einstieg in die Berufswelt zu schaffen. Die Faustformel „kein Schulabschluss - keine Ausbildung - keine Arbeit“ darf nicht für immer mehr junge Bürger zur Wirklichkeit werden!