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Der dbbjnrw-Parteiencheck: Ehrenamt
19.04.2010  
Hier findet ihr die Antworten von drei nordrhein-westfälischen Parteien auf unseren vierten Wahlprüfstein, bei dem es um das Thema Ehrenamt geht. Weitere Wahlprüfsteine findet ihr auf der Übersichtsseite.
Wahlprüfstein Nr. 4: Ehrenamt
Ehrenamtliches Engagement leistet eine unverzichtbare Hilfe in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Wir brauchen dieses Engagement heute mehr denn je. Während der Trend zum "traditionellen" ehrenamtlichen Engagement rückläufig ist, lässt sich ein Trend zum "punktuellen" ehrenamtlichen Engagement beobachten: Menschen bringen sich in gezielte, zeitlich befristete Projekte oder Aktionen ein und legen sich nicht mehr gerne für ein ganzes Leben ehrenamtlich fest. Diese Tendenz bringt das traditionelle Ehrenamt in einigen Bereichen in Bedrängnis.

Wie wollen Sie durch Ihr politisches Handeln gerade junge Menschen motivieren, sich ehrenamtlich in der Gesellschaft zu engagieren?

Bündnis 90/Die Grünen setzen sich für po­li­tische Zie­le ein, die sehr stark ge­ra­de von jungen Men­schen ge­teilt wer­den. Der Kli­ma­schutz, die Eine-Welt-Politik, eine ge­rechte Glo­ba­li­sie­rung, so­ziale / öko­logi­sche / inter­kulturelle Pro­jekte sind nicht allein lan­des­po­li­tische Schwer­punk­te un­se­rer Par­tei, son­dern sto­ßen auch auf höchstes In­teres­se bei Ju­gend­lichen für ein ehren­amt­liches En­ga­ge­ment. Bei­spiels­wei­se gibt es vier Mal so viele an einem Frei­willigen Öko­lo­gischen Jahr in­teres­sier­te Ju­gend­liche als Plätze vor­han­den sind. Die schwarz-gelbe Lan­des­re­gierung hat in den letzten Jahren die För­de­rung des ehren­amt­lichen En­ga­ge­ments für viele der ge­nannten Themen aller­dings ab­ge­baut. Das wollen wir än­dern und in Zu­kunft durch ent­sprechen­de För­derungen wieder jungen Men­schen die Chance bie­ten, sich z.B. in den ge­nannten Be­reichen zu en­ga­gieren. Das In­ter­es­se der Ju­gend­lichen ist aus un­se­rer Sicht durch­aus vor­han­den, an­sprechen­de An­ge­bote müssen er­wei­tert wer­den. Wir hal­ten es auch für wichtig, ehren­amt­liches En­ga­ge­ment wert­zu­schät­zen und an­zu­er­kennen. Im Land­tag wurde auf Ini­tia­ti­ve von CDU und FDP - über An­träge, Em­pfänge und Aus­zeich­nungen - das eh­ren­amt­liche En­ga­ge­ment von Schüt­zen- und Kar­ne­vals­ver­einen ge­wür­digt. Hier wollen wir die Ak­zente ver­schieben und gerade auch das eh­ren­amt­liche En­ga­ge­ment von Ju­gend­grup­pen- und ver­bän­den, vor allem in den oben ge­nannten Be­reichen, stär­ker wür­di­gen und an­er­kennen.
Engagementpolitik ist für die FDP eine wich­ti­ge Quer­schnitts­auf­ga­be und hat einen ho­hen Stellen­wert. Unsere De­mo­kra­tie, so­ziale Si­che­rung, Wirt­schaft und kul­tu­rel­len Le­bens­wei­sen be­ru­hen auf geisti­gen Ein­stellun­gen und der Be­reit­schaft zum eh­ren­amt­lichen En­ga­ge­ment. Bei­des ist nicht selbst­ver­ständ­lich, son­dern muss sorg­sam ge­pflegt wer­den. Aus die­sem Grund ha­ben wir im Jahr 2008 den En­ga­ge­ment­nach­weis "Für­ein­an­der - Mit­ein­an­der. En­ga­giert im so­zia­len Ehren­amt“ und im No­vem­ber 2008 eine Ehren­amts­kar­te ein­ge­führt. Mit die­ser lan­des­wei­ten Ehren­amts­kar­te sprechen die Lan­des­re­gierung, Städ­te, Ge­mein­den und Kreise über­durch­schnitt­lich en­ga­gier­ten Men­schen ihren be­son­de­ren Dank für deren Ein­satz fürs Ge­mein­wohl aus. In­ha­berinnen und In­ha­ber der Kar­te kön­nen in öffent­lichen und pri­va­ten Ein­richtung­en und Un­ter­neh­men in allen am Pro­jekt teil­nehmen­den Or­ten Ver­günsti­gung­en in An­spruch neh­men. Viele Städ­te und Krei­se, von Ahaus bis Xanten, be­tei­li­gen sich be­reits an die­sem Pro­jekt. Frei­willigen­ar­beit ver­dient un­se­res Er­achtens gro­ße An­er­kennung. Wir stre­ben an, eine An­er­kennungs­kul­tur zu schaffen, die einem mo­der­nem Frei­willigen­en­ga­ge­ment ge­reicht wird; die wert­schätzt, wür­digt und an­er­kennt.

Die Libe­ra­len set­zen sich weiter da­für ein, dass ins­be­son­de­re Kin­der und Ju­gend­liche schon früh den Zu­gang zum ehren­amt­lichen En­ga­ge­ment fin­den. Des­halb stre­ben wir an, dass das frei­willige und bür­ger­schaft­liche En­ga­ge­ment stär­ker von der Schule ge­för­dert und zu­gleich auch zum Ge­gen­stand des Un­ter­richts ge­macht wird. Zu­dem wollen wir da­für wer­ben, dass das Thema "Ehren­amt“ auch im außer­schulischen Bil­dungs­an­ge­bot und in den Ein­richtungen der Aus- und Wei­ter­bil­dung, eben­so aber auch in den Hoch­schulen, ver­stärkt auf­ge­griffen wird.

Junge Menschen an der Gestaltung der Ge­sell­schaft mit­wir­ken zu las­sen, muss ein we­sent­liches Ziel der Poli­tik sein. Aus Frustra­tion über mangeln­de Ein­fluss­mög­lich­kei­ten, fehlen­de Chan­cen und nicht vor­han­de­ne Perspek­ti­ven tre­ten viele Ju­gend­liche den Rück­zug ins Pri­va­te an. Es gibt je­doch eine grund­sätz­liche Be­reit­schaft zu frei­willi­gem En­ga­ge­ment in Ver­einen und Or­ga­ni­sa­tio­nen und die­se soll­te ge­nutzt wer­den, da­mit sich die jungen Leute als wichti­ger Teil der Ge­sell­schaft füh­len. Sie müs­sen se­hen kön­nen, dass sich ihre Be­dürf­nisse und In­ter­es­sen, aber auch ihre Be­reit­schaft zur Mit­ge­stal­tung in der Po­li­tik wi­der­spie­geln. Vor die­sem Hin­ter­grund ist eine der we­sent­lichen Auf­ga­ben und Ziele der Ju­gend­ver­bands­ar­beit die För­derung von so­zia­lem En­ga­ge­ment, Ge­mein­schaft, So­li­da­ri­tät und To­le­ranz. Durch ein viel­fäl­ti­ges Bil­dungs­an­ge­bot so­wie sinn­volle und zeit­ge­mäße Frei­zeit­ge­stal­tung wird so die Ent­wick­lung von Kin­dern und Ju­gend­lichen zu selbst­be­wuss­ten, ei­gen­stän­di­gen und ver­ant­wor­tungs­voll han­deln­den Per­sön­lich­kei­ten un­ter­stützt. Die Ju­gend­ver­bands­ar­beit er­füllt da­mit einen wichti­gen ge­sell­schaft­lichen Auf­trag und trägt dazu bei, auch in Zu­kunft die Wer­te einer so­li­darischen Ge­mein­schaft auf­recht­zu­er­halten.

Bür­ger­schaftl­iches En­ga­ge­ment ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Es wird ge­lernt oder ver­lernt, es braucht Vor­bil­der, An­regungen und Räu­me, in denen Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me für an­dere und eigene frei­willige Akti­vi­tä­ten ge­probt und ein­ge­übt wer­den kön­nen. El­tern­haus, päda­go­gische Ein­richtungen wie Schulen, Kin­der­gär­ten und Uni­ver­si­tä­ten, aber auch Un­ter­nehmen und Ver­waltungen tra­gen dazu bei, ob En­ga­ge­ment ge­lernt wird. Aber der Appell allein, dass junge Men­schen sich ver­stärkt in ihrer Frei­zeit en­ga­gieren sol­len, reicht nicht aus. So wird der Um­fang des En­ga­ge­ments auf Dauer nicht zu stei­gern sein, son­dern führt zu Ver­druss so­wie zu Ver­trau­ens- und Glaub­wür­dig­keits­ver­lusten. Wir brauchen eine nach­hal­ti­ge För­der­struk­tur, die eine ver­läss­liche Dienst­leis­tung für die En­ga­gierten bie­tet. Wir wollen Mo­dell­vor­hab­en, um eine ver­bes­ser­te, neue und sich ver­än­dern­de Kul­tur des Ehren­amtes zu för­dern. Des­halb muss die vor­han­de­ne In­fra­struk­tur sta­bi­li­siert und neue Struk­turen dort ge­schaffen wer­den wo es not­wen­dig ist. Not­wen­dig für die Zu­kunft sind also zu­sätz­liche Ka­pa­zi­tä­ten und Kom­pe­ten­zen für Inno­va­tionen, neue Kon­zep­te und Ide­en zur För­derung eines zeit­ge­mäßen Bür­ger­schaft­lichen En­ga­ge­ments und der Selbst­hil­fe. Darü­ber hinaus be­darf es deut­licher Ressour­cen­ver­besserung bei der Qua­li­fi­zierung Ehren­amt­licher und Frei­williger sowie bei der Schulung haupt­amt­licher Fach­kräfte.
 
Die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst, die z.B. für die ehrenamtliche Betreuung von Jugendfreizeiten Sonderurlaub beantragen wollen, hat sich durch die Einführung des TVöD bzw. TV-L verschlechtert. Beabsichtigt Ihre Partei eine rechtliche Gleichbehandlung von Arbeitnehmern und Beamten bei der Gewährung von Sonderurlaub?

Das Gesetz zur Gewährung von Son­der­url­aub ist seit 1975 in Kraft. Ak­tu­ell werden aus Mitteln des Kin­der- und Ju­gend­för­der­plans jähr­lich rund 2.900 ehren­amt­lich Tä­ti­ge ge­för­dert, die fast 30.000 Ju­gend­liche be­treu­en. Für pri­vat­wirt­schaft­lich An­ge­stellte und auch für An­ge­stellte im öffent­lichen Dienst gel­ten für die Ge­währung von Son­der­ur­laub die Re­gelung­en des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­trags, der durch die Ta­rif­part­ner aus­ge­han­delt wur­de. Diese Au­to­nomie der Ta­rif­part­ner ist uns wich­tig. Gleich­zeit­ig sehen wir je­doch, dass das Ehren­amt ge­ra­de in den ge­nannten Be­reichen der Ju­gend­ar­beit zu­neh­mend wich­ti­ger wird. Wir wer­den da­her alles dafür tun und prü­fen, was recht­lich mög­lich ist, um zu einer Gleich­be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer­innen und Ar­beit­neh­mer bei der Ge­währung von Son­der­ur­laub zu kommen. Die FDP misst dem Ehren­amt zweifels­ohne ein hohes Ge­wicht zu. Für eine gewünschte Stärkung des Ehren­amtes hält die FDP Son­der­ur­laub für An­ge­stellte des öffent­lichen Dienstes aller­dings eher nicht für ge­eig­net. Die Frage, ob und in welchem Um­fang An­ge­stellte des öffent­lichen Dienstes für die Wahr­nehmung ehren­amt­licher Auf­ga­ben Son­der­ur­laub er­halten, ist aller­dings auch weniger eine po­li­tische Ent­scheidung, son­dern wird durch die Ta­rif­part­ner im Rahmen der Ta­rif­ver­hand­lungen ent­schieden. Bei der für die nächste Le­gis­la­tur­pe­rio­de ge­plan­ten um­fassen­den Dienst­rechts­re­form für die Be­am­tinnen und Be­am­te wird aber auch das Thema der Gleich- bzw. Un­gleich­be­hand­lung mit dem Ta­rif­be­reich eine Rolle spielen. Ver­meid­bar sind gewisse Un­gleich­hei­ten zwischen bei­den Systemen aller­dings nicht voll­ständig. Dazu sei auf die Ant­wort zu einer der voran­ge­hen­den Fra­gen ver­wiesen. (Wie stehen Sie zu der Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen Ar­beit­nehmern und Be­am­ten in Sachen Ar­beits­zeit und Be­zahlung?) Der SPD ist die Problematik der unter­schied­lichen Ge­währung von Son­der­url­aub im Tarif- und im Be­am­ten­recht be­kannt. Wir ver­weisen insoweit auf die Ant­wort zu einer der voran­ge­hen­den Fra­gen. (Wie stehen Sie zu der Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen Ar­beit­nehmern und Be­am­ten in Sachen Ar­beits­zeit und Be­zahlung?)