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Weitsichtige Personalplanung beim Land NRW: Fehlanzeige
13.07.2010  
Das Landesamt für Besoldung und Versorgung Nordrhein-Westfalen (LBV NRW) sucht Sacharbeiter für seine Beihilfestelle. Gleichzeitig bildet das Land NRW anderenorts Verwaltungsfachangestellte aus, die dort nicht übernommen werden können. Hier freie Stellen, dort qualifizierte Mitarbeiter auf Arbeitssuche - das passt ja prima, könnte man denken. Doch das Landesamt gibt lieber externen Bewerbern den Vorzug, die keinerlei Ausbildung und Erfahrung im Öffentlichen Dienst haben. Nicht nur die dbb jugend nrw wundert sich.

Für seine Beihilfestelle will das LBV NRW 15 neue Sacharbeiter befristet bis zum 31.12.2011 einstellen. Gleichzeitig gibt es bei anderen Landesverwaltungen eine Menge Azubis, die dort nicht übernommen werden können. Anstatt sich für diese Stellen aus dem Kreis der Azubis der Landesverwaltung, die qualifiziert und passgenau für die Tätigkeit im öffentlichen Dienst ausgebildet wurden, die Besten auszusuchen, wurden diese Stellen im Juni lieber öffentlich ausgeschrieben. Selbst die fertig werdenden LBV-Azubis müssen sich bewerben und dem Auswahlverfahren unterziehen.

Nachvollziehbar ist dieses Vorgehen nicht, denn eigentlich hat niemand etwas davon. Die Auszubildenden der Landesverwaltung stehen nach erfolgreicher Abschlussprüfung auf der Straße. Und das mit düsteren Aussichten, denn mit ihrer maßgeschneiderten Ausbildung für eine Tätigkeit im Öffentlichen Dienst will sie in der Privatwirtschaft kaum jemand haben. Dafür wird beim Land viel zu spezifisch ausgebildet. Und das LBV bekommt Mitarbeiter, die vom Öffentlichen Dienst keine Ahnung haben und erst noch mühsam eingearbeitet werden müssen.

Das Verhalten des Landesamts für Besoldung und Versorgung NRW gibt große Rätsel auf
Entlohnt werden die neuen Mitarbeiter zunächst nach Entgeltstufe (EG) 5 TV-L, später vielleicht nach EG 6 bis maximal EG 8. Ob die Verwaltungsfachangestellten extern oder intern ausgebildet wurden, spielt dabei allerdings keine Rolle. Interne Fachkräfte wären für das LBV also nicht teurer. Im Gegenteil: Auf das Stellenangebot bei der Agentur für Arbeit haben sich ca. 1.000 Interessenten gemeldet, von denen erfahrungs­gemäß 10 Prozent zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen werden sollen. Ein Bewerbungsverfahren für die landesintern ausgebildeten Mitarbeiter wäre deutlich billiger gewesen. Und genügend qualifizierte und motivierte junge Arbeitskräfte hätte man hier sicherlich auch gefunden. Stattdessen werden die topp ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen lieber auf die Straße gesetzt. Kommt man so seiner Fürsorgepflicht nach?
In einer Zeit, in der der Öffentliche Dienst mehr und mehr vergreist, wäre es dringend notwendig, rechtzeitig und in ausreichender Menge junge und gut qualifizierte Mitarbeiter einzustellen. Denn schon jetzt ist absehbar, dass bis 2013 zehn Prozent aller Beschäftigten im Landesdienst ausscheiden werden. Gleichzeitig muss man aufgrund der demografischen Entwicklungen mit einem deutlichen Rückgang an Arbeitskräften rechnen. Ab 2020 wird jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland über 50 Jahre alt sein. Was das für den Öffentlichen Dienst bedeutet, kann man sich ausmalen. An wen sollen die erfahrenen Mitarbeiter/innen ihr Know-How weitergeben? Und wer soll überhaupt die Arbeit erledigen? Wenn nicht bald von der Landesregierung eine weitsichtige Personalplanung eingeleitet wird, werden die demografischen Entwicklungen den Öffentlichen Dienst ganz schön alt aussehen lassen.