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| Bei der Justiz sieht die Jugend alt aus |
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| 21.07.2010 |
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| Sandra Kuke ist 23 Jahre alt. Sie hat im Januar ihre Ausbildung als Justizfachangestellte beim Amtsgericht in Düsseldorf erfolgreich beendet und hätte dann in ein neues Leben - unabhängig von ihren Eltern - starten wollen. Aber sie kann es nicht, denn sie ist eine von rund 300 Azubis, die bei der nordrhein-westfälischen Justiz ihre Ausbildung gemacht haben und dann nur ein Angebot über eine befristete Übernahme von elf Monaten bekommen haben. Ihr Leben hält für sie nur Ungewissheit bereit. |
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Justizfachangestellte Sandra Kuke blickt in
eine ungewisse berufliche Zukunft |
Voller Freude hat die junge Frau 2007 einen Ausbildungsvertrag beim Land NRW unterschrieben. Justizfachangestellte wollte sie werden, war gespannt auf die vielseitige Ausbildung, die sie sich spannender als in einer Anwaltskanzlei vorstellte. Doch schon als sie den Vertrag unterschrieb, unterschrieb sie damit nicht nur die Verpflichtung, zweieinhalb Jahre engagiert zu lernen und mitzutun, sondern auch ihre Perspektivlosigkeit danach. „Es war schon zu Beginn der Ausbildung klar, dass wir nicht übernommen werden“, schildert sie im Gespräch mit der dbb jugend nrw. „Das mussten wir zum Start unserer Ausbildung unterschreiben“, führt sie fort. Sie unterschrieb es, denn ihre Hoffnung war, dass sich in mehr als zwei Jahren ihre Aussichten positiv entwickeln würden.
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Doch daraus ist nichts geworden. Sandra hat nun seit Januar einen Vertrag, der ihr für insgesamt elf Monate zumindest Berufserfahrung bescheinigt. Nach den elf Monaten aber ist endgültig Schluss. Mit der schönen Vorstellung von einem Leben auf eigenen Beinen hat es sich für die 23-Jährige zerschlagen. Sie wohnt immer noch bei ihren Eltern, denn eine Wohnung mieten? Das wäre zu ungewiss. „Ich weiß ja nicht, ob ich die auf Dauer bezahlen kann“, sagt sie. Denn wenn sie nicht in der Privatwirtschaft unterkommt oder ein Wunder geschieht, ist sie ab Januar 2011 arbeitslos.
Das zeigt das Dilemma der jungen Menschen, die in NRW bei der Justiz eine Ausbildung machen. „Wohnung, Autokauf, einen größeren Urlaub und oft auch die Familienplanung, all das können sie vergessen“, weiß Karen Altmann, Vorsitzende der Deutschen Justiz-Jugend NRW in der DJG (DJJ NRW). Sie weiß es aus eigener Erfahrung. Ihre Ausbildung begann 2003. Danach hatte Karen Altmann ihr Leben zwischen Halbjahresverträgen zu organisieren. Bis vor zwei Jahren. „Durch eine glückliche Fügung habe ich eine feste Stelle bei der Justiz in Düsseldorf bekommen“, erzählt sie. - Eine Ausnahmebiografie.
Der psychische Druck auf die jungen Leute bei der Justiz ist ungemein hoch. Nicht nur die Ungewissheit, was nach der Ausbildung ist, frisst an dem Selbstbewusstsein. Auch das Gefühl ständig besser sein zu müssen als die anderen, um einen guten Notenschnitt hinzulegen und überhaupt eine Perspektive zu haben, drückt auf die jungen Seelen. Hinzu kommt, dass sie während der Ausbildung durch verschiedene Bereiche gehen und das auch nach der Ausbildung oft kein Ende hat. „Sie werden da eingesetzt, wo gerade Notstand herrscht“, erklärt die NRW-Vorsitzende der Justizjugend. Auch sie selbst wechselte in der Zeit zwischen Ausbildungsende 2005 und Festanstellung 2008 die Einsatzbereiche, musste immer wieder neu eingearbeitet werden, kam nie zur Ruhe.
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| Aus dieser Erfahrung heraus ist die DJJ dabei, wenn die dbb jugend nrw am 2. August zum Ausbildungsstart in den Kommunen ihre Aktion vor der Staatskanzlei startet. „Ob es darum geht, ob bei den Kommunen Auszubildende fehlen, oder ob beim Land - speziell der Justiz - junge Leute nicht übernommen werden, beides zeigt, wie unverantwortlich mit jungen Menschen in unserem Land umgegangen wird“, sagt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg. Er ruft deshalb die Mitglieder aller Fachgewerkschaften in NRW auf, sich an der Aktion der dbb jugend nrw vor der Staatskanzlei in Düsseldorf zu beteiligen. Das können sie tun, indem sie eine Sperrholzfigur zum Thema „Ohne Jugend sieht der Öffentliche Dienst alt aus“ gestalten oder aber auch zu einer Abschlussaktion im November 2010 im Landtag dabei sind. Am 2. August wird die dbb jugend nrw vor der Staatskanzlei mit den selbst gefertigten Sperrholzfiguren Position beziehen und dort auch an die neue Ministerpräsidentin des Landes, Hannelore Kraft, ihre Positionen schriftlich formuliert übergeben. |
Karen Altmann, Vorsitzende der DJJ NRW, kennt
die schwierige Lage der Justiz-Azubis aus
eigener leidvoller Erfahrung |
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