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Geburtenrückgang oder doch Baby-Boom?
06.01.2011  
Die Geburtenrate in Deutschland ist 2010 in den ersten neun Monaten um 3,6 Prozent gestiegen. Das Statistische Bundesamt spricht von einem leichten Baby-Boom. Gleichzeitig wird die Elterngeneration, die für Nachwuchs sorgen könnte, bis 2025 um mehr als eine Million schrumpfen. Welcher Trend wird überwiegen?

Das Statistische Bundesamt hat Zahlen veröffentlicht, die auf einen kleinen Baby-Boom schließen lassen. So kamen 2010 von Januar bis September insgesamt 510.000 Kinder zur Welt. Das sind fast 18.000 Kinder mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den letzten zehn Jahren wurde solch ein Anstieg nicht mehr festgestellt. Die einen sprechen von einem Baby-Boom, die anderen warnen vor zu großer Euphorie. Denn zum einen kann sich die Geburtenrate für das gesamte Jahr 2010 noch nach oben oder unten bewegen - die endgültigen Zahlen werden erst im Sommer 2011 veröffentlicht. Zum anderen kann es sich auch nur um einen einmaligen Anstieg handeln. Von einer Wende kann man erst sprechen, wenn die Geburtenrate über mehrere Jahre hinweg steigt. Und das darf bezweifelt werden.

Parallel zu den Zahlen des Statistischen Bundesamtes gibt es nämlich Meldungen, die nach wie vor eine schlechte Prognose für den demografischen Wandel liefern. Laut Berechnungen der Bertelsmann Stiftung wird die Generation, die potentiell für Nachwuchs sorgen könnte, bis 2025 erheblich zurückgehen. Diese Elterngeneration, zu der alle Menschen im Alter zwischen 22 und 35 Jahren zählen, wird somit den demografischen Wandel maßgeblich bestimmen. In den nächsten 15 Jahren wird der Anteil der Elterngeneration an der Gesamtbevölkerung von 16,8 Prozent (2006) auf 15,7 Prozent im Jahr 2025 sinken. Ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte klingt nach wenig, doch die absoluten Zahlen machen das Ausmaß deutlich: Im Jahr 2025 gibt es rund 1,15 Millionen potentielle Eltern weniger.
(c) by silmaril / photocase.de
Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder - ist
der stetige Abwärtstrend also gestoppt?
Foto: (c) by silmaril / photocase.de
Eine Ursache für die schrumpfende Zahl der Elterngeneration liegt in der Tatsache, dass die Geburtenzahlen bereits in den vergangenen Jahren stark rückläufig waren. Weniger Nachwuchs in den letzten zwei Jahrzehnten bedeuten demnach weniger potentielle Eltern für die Zukunft. Des Weiteren bekommen Frauen sehr viel später das erste Kind. So stieg laut Bertelsmann Stiftung das Alter der Erstgebärenden von 2002 bis 2006 von 29,8 auf 30,1 Jahre. Auch dies hat Einfluss auf die Anzahl weiterer Kinder, denn mit einem höheren Alter beim ersten Kind sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass noch viele weitere Kinder geboren werden. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes machen zwar Hoffnung, doch nach wie vor liegt die Geburtenrate bei nur 1,4 Kindern pro Frau. Auch wenn sich dieser Wert leicht erhöhen sollte, so ist das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 noch lange nicht in erreicht - und der demografische Wandel noch lange nicht gestoppt.
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Infos & Daten der Bertelsmann Stiftung
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