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Öffentlicher Dienst für junge Leute alles andere als krisensicher
12.01.2011  
rp online-Artikel
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Nullrunde für Beamte nötig
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Staats-Jobs sind krisensicher
„Nullrunde für Beamte nötig“ und „Staats-Jobs sind krisensicher“ - so titelte die Rheinische Post am vergangenen Samstag, 8. Januar. Eifrig wurde das Klischee des privilegierten und überbezahlten Beamten gepflegt. Die dbb jugend reagierte mit einem Leserbrief an die Redaktion der Rheinischen Post:

Sehr geehrter Herr Plück, liebe Redaktion,
„Staats-Jobs sind absolut krisensicher“ heißt es in der Überschrift des Interviews, das Maximilian Plück mit Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring führte. Das hört sich komfortabel an, ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Schon lange ist der Öffentliche Dienst keine Insel der Glückseligkeit und Sicherheit mehr. Viele Beschäftigte im Öffentlichen Dienst sind heute nämlich keine Beamte mehr, sondern Arbeitnehmer. Somit sind sie kündbar wie alle Arbeitnehmer in Deutschland. Dies trifft vor allem die Beschäftigten, die in Bereichen des Öffentlichen Dienstes arbeiten, die privatisiert oder 'outgesourced' sind. Auch vor betriebsbedingten Kündigungen sind die Beschäftigten nicht gefeit. Das passiert dann, wenn z. B. freiwillige Aufgaben eingespart werden und die betroffenen Kollegen nicht anderweitig mit einer Stelle versorgt werden können.
(c) by Little sisters / fotolia.com
Der dbb fordert 50 Euro Sockelbetrag und linear drei Prozent mehr für die Einkommensrunde in den Ländern. Der Verhandlungsführer der Länder,
Hartmut Möllring, fordert dagegen eine Nullrunde.
Foto: (c) by Little sisters / fotolia.com
Ganz miserabel sieht es seit Jahren auch bei den Auszubildenden im Öffentlichen Dienst aus. So wird zum Beispiel in NRWs Justizdienst nur befristet eingestellt. Auch im kommunalen Dienst ist dies häufig der Fall. Der in der RP dargestellten „Sicherheit“ entspricht das sicher nicht. Nach einer Ausbildung im Öffentlichen Dienst können sich junge Leute heute glücklich schätzen, wenn sie überhaupt einen Arbeitsvertrag für ein halbes, maximal ein Jahr erhalten. Doch letztendlich stehen sie dann auch auf der Straße. Und damit fangen die Probleme erst richtig an: Kein Dispo-Kredit fürs Girokonto - denn wer weiß, ob man das Konto künftig ausgleichen kann? Probleme bei der Wohnungssuche, denn wer vermietet gerne an jemanden, der bald arbeitslos ist? Schwierigkeiten beim Autokauf, da die Kreditgewährung vakant ist, und an Familienplanung ist bei diesen Aussichten auch nicht zu denken. Dies sind nur einige Beispiele. Jedoch stellt sich so niemand seine Zukunft nach einer mehrjährigen qualifizierten Ausbildung vor.
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Da die Ausbildung im Öffentlichen Dienst so spezifisch ist, kann man damit oftmals in der Privatwirtschaft nichts anfangen. Zumal einem auch der Stempel des Öffentlichen Dienstes und somit das Vorurteil von Müßiggang und Unflexibilität anhaftet. Die Chance, einen Verwaltungsfachangestellten in die Privatwirtschaft zu vermitteln, ist somit annähernd so schlecht wie die Chance, einen Ungelernten zu vermitteln. Schließlich wurde er ganz speziell auf die Bedürfnisse des Öffentlichen Dienstes hin drei Jahre lang ausgebildet und ihm Fachwissen gelehrt. Den jungen Menschen, die in den Staatsdienst eintreten, fehlt so die Zukunftsperspektive, wenn sie nicht in dem Job arbeiten können, für den sie ausgebildet wurden.
Diese Seite der Medaille kommt in keinem der Beiträge in der Samstagsausgabe vom 8. Januar 2011 zur Sprache. Gezeichnet wird hier zur Stimmungsmache wieder einmal nur das Bild des überbezahlten Beamten. Jedoch kann sich niemand von den zahlreichen Staatsdienern im einfachen, mittleren und gehobenen Dienst Reichtümer schaffen. Während die Betriebe in der Privatwirtschaft ihren Mitarbeitern wieder Lohnerhöhungen gewähren, müssen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst einmal mehr zurückstecken, wenn es um ihre Einkommenserhöhung geht. Denn: ist die Wirtschaft in der Krise, so hat der Öffentliche Dienst zu sparen. Ist die Wirtschaft im Aufschwung, wird den Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes ebenfalls Mäßigung durch Nullrunden verordnet. So motiviert man niemanden - weder für den Staat zu arbeiten, noch die Aufgaben mit Freude zu erledigen.