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Unis platzen aus allen Nähten - Behördenschreibtische bleiben leer
07.12.2011  
Sie sitzen in Kinos, Containern und Baumärkten, denn die Hörsäle in NRW platzen aus allen Nähten. Die Universitäten des Landes sind dem Ansturm der Studienanfänger nicht gewachsen. Zum Wintersemester gab es in NRW 100.000 Studienanfänger mehr als erwartet.

An den 69 Hochschulen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes beginnen in diesem Jahr so viele Leute ein Studium wie niemals zuvor. Auf den großen Ansturm sind die Unis kaum vorbereitet. Mit 97.400 Anfängern hatte man für das Studienjahr 2011 gerechnet. Tatsächlich aber liegt die Zahl der Erstsemester um 181.000 über der Prognose. Die Abschaffung der Studiengebühren in NRW und die ersten Doppel-Abijahrgänge in Bayern und Niedersachsen haben akut zu den hohen Anmeldungen an den Unis geführt, vermutet die Politik.

Und es kommt noch schlimmer, fürchtet der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg: "Mit Grauen sehen wir dem Doppelabiturjahrgang in NRW im Jahr 2013 entgegen. Wenn dann die Schätzzahlen wieder so daneben liegen wie in diesem Jahr, sehen wir schwarz."
Bundesweit studieren an den Hochschulen rund 2,4 Millionen junge Menschen mehr als noch im letzten Wintersemester. Die Landesregierung erwartet nach ihren Schätzungen im Jahr 2013 gegenüber 2012 eine weitere Steigerung um 179.000 Studierende. "Da aber schon die Zahlen für das laufende Jahr nicht korrekt waren, wie sich jetzt zeigte, bleibt Schlimmes zu befürchten", meint Schallenberg mit Blick in die Zukunft.

In Vorbereitung auf eine größere Anzahl von Schulab­gängern in NRW und den Wegfall der Wehrpflicht hatte die Landesregierung ein Maßnahmenpaket verab­schiedet, das den Andrang junger ausbildungsfähiger Menschen adäquat auffangen soll. Dazu zählt u.a. der sogenannte Hochschulpakt, im Rahmen dessen mehr Geld an die Hochschulen fließt, mehr Dozenten bereit gestellt werden, mehr Wohnheimplätze und insgesamt mehr Platz an den Universitäten geschaffen werden.
(c) by thowi / flickr.de
Überfüllte Hörsäle gehören mittlerweile
zum Alltag im Universitätsbetrieb
Foto: (c) by thowi / flickr.de
"Immerhin sind die Hochschulen dabei, sich auf eine höhere Anzahl an Studienanfängern einzustellen. Im Öffentlichen Dienst ist man hinsichtlich der Ausbildungszahlen noch lange nicht soweit", erläutert Schallenberg. Die Sorge des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes, man könne das Plus an gut qualifizierten Schulabgängern für den Öffentlichen Dienst ungenutzt an sich vorüberziehen lassen, scheint begründet: "In Hinblick auf die demografische Entwicklung werden wir vor ungeheuren Problemen stehen", prophezeit Markus Schallenberg.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden über eine Million Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung von Bund und Ländern die Altersgrenze erreichen und aus dem Dienst ausscheiden. Der demografische Wandel wird zu einem Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt sowie einer Erhöhung des Durchschnittsalters des Personals führen. "Ab 2013 werden im Öffentlichen Dienst in NRW 4.000 Personen mehr in Rente gehen als ausgebildet werden", betont Schallenberg. Jetzt wäre der passende Moment, die Fülle qualifizierter Schulabgänger zu nutzen, um die Vergreisung im Öffentlichen Dienst zu stoppen.

Mitglieder der dbb jugend nrw haben in den vergangenen Wochen im Rahmen der Aktion "Hausbesuche" ihre Abgeordneten in den Wahlkreisen besucht und dort u.a. auf dieses Problem hingewiesen. Auch bei der Aktion des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes zu Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August hat die dbb jugend nrw in Gesprächen in der Staatskanzlei ihre Position deutlich gemacht. "Wir werden jede Gelegenheit nutzen, um die Landesregierung daran zu erinnern, dass jetzt noch Zeit ist, die Ausbildungszahlen im Öffentlichen Dienst zu erhöhen. Die Politik muss ihrer Verantwortung als Arbeitgeber nachkommen", erklärt der Vorsitzende der dbb jugend nrw mit Nachdruck.