impressum kontakt drucken suchen
 
Startseite Die dbbj nrw Aktuelles Arbeitsfelder Seminare Fotoalben Downloads
Dramatische Abwärtsspirale bei den Gehältern im Öffentlichen Dienst
13.12.2011  
Dass der Öffentliche Dienst bei der Lohnentwicklung auf den hinteren Rängen rangiert, halten viele für ein Gerücht. Doch eine aktuelle Studie, die ausgerechnet aus dem nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium kommt, spricht eine klare Sprache: der Öffentliche Dienst nimmt den dritten Platz der höchsten Lohnverluste ein.

Die Tariflöhne in NRW sind in den letzten zehn Jahren insgesamt kaum gestiegen. Nach Abzug der Inflationsrate erhöhten sich die Tarife seit 2000 um lediglich 5,6 Prozent. Der Öffentliche Dienst zählt zu einer der 14 Branchen, in der die Gehälter sogar sanken. Untersucht hatte das Arbeitsministerium NRW insgesamt 50 Branchen vom Floristikunternehmen über Speditionen bis hin zum Bankgewerbe.

Die höchsten Lohnzuwächse verzeichnet auf zehn Jahre gesehen die Metall- und Elektroindustrie. Die Beschäftigen dort haben real fast 21 Prozent mehr auf dem Konto. Die Angestellten im Öffentlichen Dienst hingegen hatten ein Minus von 8,7 Prozent hinzunehmen. "Bei den Beamten sind die Einbußen sogar noch höher", kritisiert der stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend nrw, Jano Hillnhütter. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Tarifergebnisse der Angestellten häufig verspätet und nur teilweise in den Beamtenbereich übertragen wurden. "Wenn man die zahlreichen Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Erhöhung der Wochenarbeitszeit einrechnet", so Hillnhütter weiter, "dann liegen die Lohnverluste der Beamten sogar bei über 10 Prozent".

Arbeitsminister Guntram Schneider sieht den Zusammenhalt der Gesellschaft bedroht, wenn immer mehr Menschen den Eindruck hätten, dass ihre Leistung nicht angemessen belohnt werde. "Besonders mit Blick auf die jungen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst können wir das bestätigen", meint Hillnhütter anlässlich des Bekanntwerdens der aktuellen Studie. Die Einstiegsgehälter seien so stark gesunken, dass es für junge Menschen nach der Schule kaum einen Anreiz gebe, sich im Öffentlichen Dienst zu bewerben.
Im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung hatte der Arbeitsminister vor dem Wochenende davon gesprochen, dass man die Abwärtsspirale nach unten stoppen müsse. "Daran möchten wir gerne anknüpfen, denn die Entwicklung der Verdienstmöglich­keiten in den Verwaltungen liegt in der Hand der Politik. Der Öffentliche Dienst wird für junge qualifizierte Menschen immer unattraktiver. Es ist ohnehin schon schwer genug, hier Nachwuchs zu rekrutieren", unterstreicht Hillnhütter die Warnungen, die die dbb jugend nrw schon seit Jahren ausspricht. "Partei­übergreifend hat die Politik in den letzten zehn Jahren den Öffentlichen Dienst links liegen gelassen. Nach eigener Auswertung muss sie ihr Versäumnis jetzt eingestehen", betont der stellvertretende Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes. Weiter­hin wolle die dbb jugend nrw in Zusammentreffen mit der Politik auf diese Misere aufmerksam machen, um eine Trendwende zu erreichen.

Unterm Strich ist das Gehalt der Tarifbeschäftigten
im Öffentlichen Dienst in den letzten 10 Jahren
real um 8,7 Prozent gesunken