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Angegriffen und totgeschwiegen
25.04.2017  
Wer im Öffentlichen Dienst verbal oder körperlich angegriffen wird, der hat nicht nur mit den Folgen zu kämpfen - häufig bekommt er kaum oder gar keine Unterstützung durch den Arbeitgeber. Das brachte jetzt eine Umfrage der dbb jugend nrw ans Licht.

Auf Behördenfluren, im Rettungswagen oder in der Schule - viele Beschäftigte im Öffentlichen Dienst haben schon selbst die Erfahrung machen müssen, wie es ist, während der Arbeit attackiert zu werden. Dazu gehören übelste Beschimpfungen wie "Ich wünsche dir ein Krebsgeschwür" oder sogar körperliche Angriffe, wie ihn Lehrerin Eva Reimann erlebt hat: Eine Schülerin rastet im Unterricht aus, verlässt das Klassenzimmer und kommt überraschend zurück. Dabei schlägt sie Reimann die nach innen öffnende Tür vor die Schulter. Während die schockierte Lehrerin nach Fassung ringt und sich die schmerzende Schulter hält, attackiert die Schülerin sie und schlägt ihr gegen den Kopf. Als sei das alles nicht schlimm genug, findet sie danach bei der Schulleitung kaum Gehör. Als sie vorschlägt, eine Anzeige gegen die Schülerin zu erstatten, rät man ihr davon ab und versagt ihr die Unterstützung.

Laut den Ergebnissen einer Umfrage, die die dbb jugend nrw in Zusammenhang mit ihrer Kampagne "Gefahrenzone Öffentlicher Dienst" online gestartet hat, geht es 47 von 100 Beschäftigten im Öffentlichen Dienst so. Sie gaben auf die Frage: "Wenn du bei der Arbeit schon verbal oder körperlich angegriffen wurdest - hast du danach Unterstützung durch deinen Arbeitgeber bekommen?" an, sie seien danach völlig auf sich alleine gestellt gewesen. Weitere 38 Prozent der Befragten fühlen sich nur mäßig gut unterstützt. Über 300 Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst haben sich an der Umfrage beteiligt.

"Auch wenn unsere Umfrage nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, bestätigt sie das, was wir aus vielen Gesprächen mit unseren Mitgliedern wissen", sagt Jano Hillnhütter, Vorsitzender der dbb jugend nrw. Damit könne man nicht zufrieden sein. "Alleine aus Gründen der Fürsorgepflicht stimmt es uns als Gewerk­schaft nachdenklich, wenn Arbeitgeber nicht hinter ihren Beschäftigten stehen, wenn diese grundlos angegriffen und bedroht werden", sagt Hillnhütter.

Die dbb jugend nrw begrüßt in diesem Zusammenhang beispielsweise die Gesetzesinitiative von Bundes­justiz­minister Heiko Maaß, Angriffe gegen Polizisten und Rettungssanitäter stärker zu bestrafen, bemängelt jedoch, dass dieses Vorhaben nicht weit genug gehe. Denn auch die Beschäftigten anderer Berufsfelder im Öffentlichen Dienst seien schützenswert.
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"Immer mehr Behörden gehen dazu über, Grundsatzerklärungen gegen Gewalt zu verfassen und sich damit hinter die Beschäftigten zu stellen", sagt Hillnhütter. Diese Erklärungen brächten aber nur etwas, wenn sie gelebt würden. Dann hätten sie Vorbildcharakter - und nur so sei der Schutz und die Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit keine Sache des Zufalls, sondern ein deutliches Zeichen nach außen, dass Gewalt nicht nur abgelehnt wird, sondern jeder Übergriff auch eine Anzeige nach sich zieht.