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Täglich Übergriffe, doch keiner zählt sie
17.11.2017  
Immer noch kommt es täglich in deutschen Behörden zu Übergriffen auf Beschäftigte im Öffentlichen Dienst. Und niemand erfährt etwas davon. Das ergab eine Umfrage der dbb jugend nrw.

Beschimpft, bespuckt oder gar geschlagen zu werden, steckt man nicht so einfach weg. Oft hinterlassen solche Über­griffe tiefe Narben bei den Betroffenen und die Angst, dass es wieder passieren könnte. Wichtig wäre es, solche Vorfälle öffentlich zu machen und aufzudecken. In manchen Ämtern und Behörden werden Übergriffe auf Beschäftigte dokumentiert. "Es gibt beispielsweise Meldesysteme im Intranet oder Teams innerhalb der Behörden, die ansprechbar sind, und bei denen solche Übergriffe gemeldet werden können", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw).

So häufig ist die fehlende Erfassung nach Übergriffen

Doch nicht überall ist das so. Einen Eindruck davon gibt das Ergebnis einer Umfrage, die der gewerkschaftliche Dachverband auf der Kampagnenseite www.angegriffen.info gemacht hat. Dort gab beinahe die Hälfte der Befragten die fehlende Möglichkeit an, behördenintern Übergriffe melden zu können. 49 Prozent antworteten auf die Frage nach einer statistischen Erfassung von Angriffen: "Nein, über Übergriffe wird bei uns keine Statistik geführt." An der Umfrage hatten sich rund 170 Personen beteiligt.

"Wir sind schockiert von diesem Bild", kommentiert Moritz Pelzer das Ergebnis. Nachdenklich stimmt ihn zudem, dass offenbar 24 Prozent der Befragten nicht wissen, ob in ihrer Behörde eine Übergriffsstatistik geführt werde. Lediglich 28 Prozent gaben an, es werde behördenintern dokumentiert.

Doch räumt Pelzer ein: Selbst in Behörden, in denen eine Zählung stattfinde, seien die Zahlen oftmals durch eine bestimmte Zählweise bereinigt. "Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen mit unseren Mitgliedern, dass im Falle von statistischen Erhebungen beispielsweise nur die Fälle gezählt werden, bei denen es durch den Übergriff zu einer vorübergehenden Dienstunfähigkeit kam", sagt er. In den Justizvollzugsanstalten sei das beispielsweise so.
Übergriffe werden erschreckend oft nicht dokumentiert

Die Konsequenz daraus: Wird jemand beschimpft, geschubst oder getreten, wird der Übergriff nicht festgehalten und es scheint nach außen so, als sei nichts geschehen. Die Zahlen, die den zuständigen Dienstherren und Ministerien zugehen, sind demnach quasi "geschönt".

"Wenn man über Maßnahmen zur Verbesserung der Situation nachdenkt, gehört es eigentlich zu den Basics, sich zunächst einmal einen Überblick darüber zu verschaffen, wie häufig und was genau passiert", moniert der Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes. Nur so kann man sicherstellen, dass man die nötigen Maßnahmen ergreift, die den Betroffenen weiterhelfen und den Schutz der Beschäftigten erhöhen.

dbb jugend nrw setzt sich für Erfassung in Kriminalstatistik ein

Zudem habe sich gezeigt, dass bei politischen Gesprächen oftmals die Frage nach der Anzahl der Übergriffe im Raume stünde. "Wir wissen, dass es viele sind, die das tagtäglich erleben. Doch wir wissen nicht genau, wie viele", so Pelzer. Anders ist das beispielsweise bei der Polizei und den Rettungsdiensten. Übergriffe in diesen Bereichen fließen gesondert in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ein.
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Die dbb jugend nrw fordert aus diesem Grund, Übergriffe aus allen Bereichen des Öffent­lichen Dienstes in die PKS aufzunehmen. Diese Forderung will Pelzer weiterhin mit in die politischen Gespräche mitnehmen. "Wir hoffen, dass nach dem Lagebericht unserer Umfrage die Dringlichkeit deutlich wird."