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Wie Rechtspopulismus funktioniert und was wir daraus lernen können
27.11.2017  
Propaganda gegen einzelne Gruppen, schlechte Stimmung machen und Leute auf die eigene Seite ziehen: Rechts­popu­listen nutzen Sprache ganz geschickt, um genau das zu erreichen. Wir wollten genauer wissen, zu welchen Mitteln sie greifen, um die Massen zu überzeugen.
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"Sprache von heute bestimmt das Handeln von morgen" - so lautete das Motto, unter dem die Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) im Frühjahr 2017 ihren Landesjugendtag durchführte. Im Fokus dabei: Verbale Aggression und Gewalt. Gewalttätige Sprache kommt häufig laut, roh und plump daher. Doch die Finessen von Sprache liegen ganz woanders. Da, wo mit netten Worten Gemeines gesagt wird und mit Emotionen gefährlich Meinungsbilder verschoben werden.

Szenenwechsel: Großes Entsetzen herrschte nach der Landtagswahl in NRW über den Wahlerfolg, den die Rechts­popu­listen verbuchten. Viele trauten ihren Augen nicht, nachdem klar war, dass die AfD ins Landesparlament einziehen wird. Bitter das Eingeständnis, dass es diesen politischen Kräften offenbar gut gelungen ist, die Massen über Sprache zu erreichen. Aber wie?

Warum die Rechtspopulisten so erfolgreich sind

Die dbb jugend nrw wollte das genauer wissen. Darum legte sie bei der Herbst-Tagung ihres Landes­jugend­aus­schusses (LJA) den Fokus genau auf dieses Thema. Denn was hierzulande der AfD gelungen ist, gelingt auch in anderen Ländern - wie dem Front National in Frankreich oder der FPÖ in Österreich. Was aber können diese Parteien, was andere nicht können? Worauf bauen sie ihr Reden? Und in welche Fallen tappen die, die auf ihre Parolen reinfallen?

Die Antwort: auf Angst. So belegt es auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die in der Angst der Menschen vor der Globalisierung eines der Fundamente für den Erfolg rechtspopulistischer Parteien sieht. Welche Ängste die Deutschen sonst so umtreiben, zeigt eine Emnid-Umfrage: Klimawandel, Kriege, Terroranschläge oder Kriminalität belegen dabei die vordersten Plätze. Aber ebenso Angst vor dem sozialen Abstieg oder Angst vor Zuwanderung, ergänzt Hans-Peter Killguss von der NS-Dokumentationsstelle in Köln, den die dbb jugend nrw als Referenten und Impulsgeber zum LJA eingeladen hatte.

Sorge als Steckenpferd


Es sei kein Zufall, dass Rechtspopulisten Themen aufgreifen, die den Menschen real Sorge bereiten, sagt Killguss. Das Ziel, das sie damit verfolgen: Minderheiten abzuwerten und einen anti-elitären Kurs einzuschlagen - also den Blick auf das Volk zu richten. Dabei stellt man sich gerne selbst als Opfer der Machtelite dar. Typische Mittel, die Rechts­popu­listen in ihrem Werben um Sympathie einsetzen: "Sie appellieren häufig an den 'gesunden Menschen­verstand'", sagt Killguss. Das spricht die Menschen auf emotionaler Ebene an. Der Trick dabei: Durch diese Taktik wird es schwierig, die Diskussion auf rationaler Ebene zu führen.

Typisch sei es, Diskussionen in großer Aufregung zu führen, laut und agitiert, und die Position "Wir gegen die" einzu­nehmen. Mit dieser Taktik führte auch Jörg Haider seinerzeit in Österreich Wahlkampf. An seinem Wahlplakat prangte der Slogan: "Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist."

Bilder und Ängste werden verknüpft

Hans-Peter Killguss referierte auf dem Herbst-LJA
der dbbj nrw über das Thema Rechtspopulismus
Durch Bilder und Slogans definieren Rechtspopulisten klar, wer ihrer Meinung nach nicht das Volk ist: "Muslime werden mit Islamisten gleichgesetzt und durch ein­seitige Darstellung mit Ängsten verknüpft", so Killguss. Typisch sind auch Verknüpfungen von Moscheen mit Angst-Räumen. Über entsprechende Bilder gelänge es Rechtspopulisten beispielsweise, Angst in Beziehung zu Muslimen zu setzen. Vehikel beim Transport ihrer Ideologien sind Verschwörungstheorien oder verzerrt wiedergegebene Statistiken. Zur Taktik gehöre es auch, sich selbst eine Opferrolle zuzuweisen. So geschehen in der Polit-Talkshow "Wie geht’s Deutschland", in der die AfD-Politikerin Alice Weidel die Rund vorzeitig verlässt, weil die Moderatorin parteiisch und unprofessionell gewesen sei - so wie sie bereits wenige Minuten nach ihrem Abgang über die Sozialen Netzwerke wissen ließ.

Was lernen wir daraus?
Wer populistische Meinungsmacher einlädt, muss darauf gefasst sein, dass neben Parolen und Phrasendrescherei emotionale Stellungnahmen in die Diskussion einfließen. "Wenn man so eine Partei einlädt, wird es immer sehr kontrovers. Wenn es darum geht, sie zu demaskieren, muss man sich überlegen, ob man die sich daraus ergebende Eskalation will", sagt Killguss. Sein Rat darum: "Man muss sich vorher sehr genau überlegen, was man damit erreichen möchte, die AfD zu Wort kommen zu lassen."