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Aids haben und nichts davon wissen
01.12.2017  
HIV in sich zu tragen und jahrelang nichts davon zu ahnen - das scheint unvorstellbar. Und doch ist es Realität. Rund 12.600 Menschen sind es geschätzt in Deutschland, sagt die Aids-Hilfe Düsseldorf. Wie kann das sein? Anlässlich des heutigen Weltaidstages sind wir dieser Frage nachgegangen.

Das kennt fast jeder: Ein Arztbesuch steht an, aber man schiebt ihn vor sich her, weil man irgendwie Bammel davor hat. Besonders schlimm ist das, wenn es um die Sorge vor einer schweren Krankheit geht oder der Infektion mit einem gefährlichen Virus. Wie HIV zum Beispiel.
Aids beginnt diffus

Wird eine solche Infektion nicht erkannt, kommt es früher oder später zu unübersehbaren Krankheitssymptomen. Was zunächst diffus mit Fieberschüben, Pilzbefall, Müdig­keit oder Herpes-Infektionen beginnt, mündet erst spät in der unerwarteten Diagnose Aids. Denn die Infektion mit dem "Humanen Immundefizienz-Virus" führt zu einer fortschreitenden Schwächung des Immun­systems. Infolgedessen kann die körpereigene Abwehr dann irgendwann Krankheitskeime nicht mehr ab­wehren. Die Betroffenen sind Aids-krank.

"Unter den jährlichen HIV-Neudiagnosen sind rund ein Drittel sogenannte Late Presenter", sagt Yvonne Hochtritt von der Aidshilfe Düsseldorf. So bezeichnet man die Menschen, die viele Jahre unwissentlich mit ihrer HIV-Infektion leben. Yvonne Hochtritt erzählt von einem Mann, der mit einer Lungenentzündung im Uniklinikum landet und dort nicht nur die Diagnose "akute Lungen­entzündung" erhält, sondern auch die Diagnose "Aids im Vollbild".

Warum manche nichts von Ihrer HIV-Infektion wissen

Wie kann das passieren? Die Gründe, sagt Hochtritt, sind vielschichtig. Manchmal ist aus Unwissenheit oder Sorge vor Ausgrenzung und Diffamierung die Angst zu groß, zum HIV-Test zu gehen. Aus diesem Grund legt der diesjährige Weltaidstag am 1. Dezember den Fokus darauf, wie man trotz Infektion ein weitestgehend normales Leben führen kann.

Weltaidstag: Auch die dbb jugend nrw zeigt Schleife
Manche halten die Infektion aufgrund der guten medikamentösen Möglichkeiten für nicht mehr so schlimm und schieben eine mögliche Infektion weg. In anderen Fällen ist es die Angst vor dem Arzt oder auch die falsche Ein­schätzung verschiedener Symptome durch den Arzt. Dieses Risiko ist vor allem bei heterosexuellen Männern und Frauen sehr groß, da man sie nicht zu den primären Risikogruppen für HIV-Infektionen zählt.
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Aids-Infopoint der dbbj nrw
Am häufigsten wird HIV beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom übertragen. Die Viren in Sperma und Scheidensekret Infizierter können über die Schleimhäute von Mund, Scheide und After oder durch Wunden in das Blut des Partners gelangen. Bei Männern können zudem die Eichel oder die Innenseite der Vorhaut als Eintrittspforte dienen. HIV wird auch unter Drogenkonsumenten übertragen, wenn sie die Spritzen gemeinsam benutzen. Säuglinge können sich während der Geburt oder über die Muttermilch bei ihren Müttern infizieren.

Zehn Prozent sterben innerhalb eines Jahres

Je später die HIV-Diagnose gestellt wird, umso schlechter sind die Chancen, von den heutigen Behand­lungs­möglich­keiten zu profitieren. Durch HIV im Körper verursachte Schäden sind dann nicht mehr rückgängig zu machen; die Lebenserwartung kann deutlich verkürzt sein. "Rund zehn Prozent der Late Presenter versterben innerhalb eines Jahres, weil sie einfach viel zu spät in Behandlung kommen", sagt Hochtritt.
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dbb jugend nrw spendet an Aidshilfe Düsseldorf e.V.
Das zeigt, wie wichtig ein frühzeitiger Test ist. Die Aidshilfe Düsseldorf bietet aus diesem Grund verschiedene nieder­schwellige Angebote. Dazu gehört neben der Aufklärung über Infektion und Behandlungsmöglichkeiten unter anderem auch der Check-Point, in dem die Testung auf HIV anonym und kostenlos angeboten wird. Diese Maßnahme unterstützten die Mitglieder dbb jugend nrw jüngst mit einer Spende.

Hoffnung früherer Diagnose durch Heimtest

In Zukunft könnte das Aufdecken einer HIV-Infektion auch durch Selbsttests, die ähnlich einem Schwangerschaftstest zu Hause durchgeführt werden, erleichtert werden. Experten wie Josef Eberle vom Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem nationalen Referenzzentrum für Retroviren, befürworten solche Tests, weil offen­sichtlich sei, "dass wir trotz der vielen, auch anonymen und kostenlosen Angebote für einen HIV-Test, nicht alle Infizierten erreichen."
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Während solche Tests in anderen Ländern bereits erhältlich sind, prüft man in Deutschland derzeit noch die Möglich­keiten einer Abgabe an Privatpersonen. Der Grund: Heimtests sind Labortests in Bezug auf den Infektions­nachweis in der frühen Phase der Infektion unterlegen. "Ein Betroffener wiegt sich also womöglich in falscher Sicherheit - und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem das Übertragungsrisiko besonders hoch ist", sagt Eberle.

Dennoch befürworten die Experten der Gesellschaft für Virologie die Tests, um die weitere Ausbreitung der HIV-Infektion zu verhindern und Infizierten einen frühzeitigen Therapiebeginn zu ermöglichen.