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Happy Birthday, du Stück!
14.11.2018  
Wundere dich nicht, wenn du dich heute an deinen Arbeitsplatz setzt und das Scheinwerferlicht knapp an deiner Schulter vorbei auf wen anderes fällt. Auf jemanden, der fast jeden Tag an deiner Seite ist, aber eigentlich noch nie wirklich in deinem Fokus. Denn er wird heute 132 Jahre alt.

Ich sehe was, das du nicht siehst, das ist aus Metall, quietscht gerne und hat Papier zum Fressen gern. Was ist das? - Und? Schon drauf gekommen, was da heute neben dir steht und still ein Geburtstagskrönchen trägt? Es dürfte als typisches Bürogerät beinahe so etwas wie der Inbegriff von Verwaltung und damit vielleicht auch von Beamtentum sein - vom Tacker mal abgesehen: der Locher.

Eine schwere Geburt

Heute vor 132 Jahren meldete Friedrich Sonnecken in Bonn das Patent für eine damals neumodische Erfindung an. Der Locher erlebte seine Geburtsstunde. Damals unter der Patentnummer 40065 als "Papierlocher für Sammelmappen, Briefordner und dergl." angemeldet, ist er heute aus den Büros und Behörden dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Was verwundern mag: Papier gibt es vermutlich seit 105 Jahren nach Christi Geburt. Warum hatte zuvor niemand die Idee, es auf einen Haufen zu legen, zu bündeln, zu lochen und abzuheften?

Leider muss diese Frage offen bleiben, denn trotz aufwendiger Recherchearbeit konnten wir es nicht in Erfahrung bringen. Doch dabei haben wir etwas anderes gelernt: dass es nämlich ebenfalls Friedrich Sonnecken war, der 1886 - also dem Erfindungsjahr des Lochers - auch den Aktenordner auf den Markt brauchte - damals unter der Bezeichnung "Briefordner". Erst in Ergänzung mit ihm macht der Locher überhaupt nur Sinn. Denn warum sinnlos Blätter durchstanzen, wenn danach immer noch keine Ordnung einkehrt?

Büroutensil und Konfetti-Maker

Dankbar möchten wir also heute mit euch gemeinsam den Geburtstag des Papierlochers begehen. Und an welchem Ort ließe sich das besser feiern als in den Verwaltungen? Was wären wir ohne das zweizahnige, stets quietschend stöhnende Metallgerät an unserer Seite, das manchmal so tut, als sei ein einziges Blatt fast der stanzenden Arbeit nicht Wert? Das Büroutensil, mit dem sich bei beständigem Einsatz handgestanztes Konfetti für die fünfte Jahreszeit fertigen lässt? Das wissen vor allem die Rheinländer seit jeher sehr zu schätzen und fertigen geduldig zu Heerscharen aus blauen, grünen und anders gefärbten Formblättern ihre ganz besondere Konfettimischung.

Ein Tipp für die Praxis

Was allerdings beim Blick in die Patentschrift verwundert - da steht geschrieben: "Diese Einrichtung bezweckt, dass die Schneidestifte ohne Klemmung auf- und abgleiten, sich nicht infolge von Ungleichheiten in der Bewegung des Druckbügels in der Führung festsetzen…" - Halt! Stopp! Wie kann das sein? Ist es nicht genau das, was bei eiligem Lochen immer wieder passiert? Wer kennt die Situation nicht, in der sich der Locher in einem Stapel Blätter festfrisst und diese gar nicht wieder hergeben will?

Was oberflächlich betrachtet auf einen Bedienfehler zurückgeführt werden könnte, ist häufig jedoch darauf zurückzuführen, dass auch der beste Locher einmal stumpfe Stanzer bekommt. Der Tipp aus der Hobbyecke: Das "gefressene" Papier lässt sich meist unbeschadet entfernen, indem man den Locher in den Gefrierschrank verbannt. Der Kälteeffekt bewirkt ein Zusammenziehen des Metalls. Die Stanzer können sich leichter wieder befreien. Danach empfiehlt sich ein Schärfen des Arbeitsgeräts durch Lochen von feinem Schmirgelpapier. Mögliche Schleifreste lassen sich durch Lochen von gewachstem Papier wieder entfernen. Positiver Nebeneffekt: das Wachs "schmiert" das wichtige Arbeitsgerät zudem. So aufgehübscht steht einer ausgelassenen Konfettiparty nichts mehr im Wege.

Happy Birthday, Locher!