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Ukraine-Besuch zwischen Fake News, Real News und Borschtsch
04.12.2018  
Die Big Five der dbb jugend nrw hat er voll. Christian Spormann hat alle Länder bereist, zu denen die dbb jugend nrw Austauschkontakte hält. Seine letzte Austauschmaßnahme wurde für ihn zu einer ganz besonderen Reise.

Es war wie bei der Familie anzukommen. Es dauerte nicht lange, bis die siebenköpfige Delegation der dbb jugend nrw nach dem Ausstieg aus dem Flieger bekannte Gesichter sah. Christian Spormann, der als einer der wenigen Mitglieder des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes alle fünf Partnerländer bereisen konnte, steht noch jetzt das Grinsen ins Gesicht geschrieben. "Es ist toll, ganz zum Schluss in der Ukraine noch einmal so persönlich und herzlich willkommen geheißen zu werden", sagt der Mönchengladbacher Kreisjugendleiter.

Alleine niemals dorthin - gemeinsam ein einmaliges Erlebnis

Mit der Reise in die Ukraine hat Christian (2.v.l.)
die "Big Five" der dbb jugend nrw voll
Über elf Jahre verteilt hat er mit der dbb jugend nrw Zielorte angesteuert, die er sonst vermutlich nie in seinem Leben gesehen hätte. Denn aufgrund anderer kultureller Gegebenheiten und der damit verbundenen Unsicherheit wäre aus einer Reise nach Taiwan oder China, Israel oder Russland sonst wohl sicher nichts geworden, gibt Christian unumwunden zu.

Dadurch, dass er in der Ukraine bekannte Gesichter wiedertreffen konnte, wurde die letzte Austauschfahrt für ihn etwas ganz Besonderes. "Dimitri und auch Vitaly waren bei einer Delegationsreise dabei, die ich selber hier in Deutschland mitbetreut habe", sagt er. Es sei für ihn ein Zeichen hoher Wertschätzung gewesen, dass die ukrainischen Gastgeber zum Teil immense Strecken zurücklegten, um gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen.
Mit Night-Guide und Privatkaffee - Gastfreundschaft groß geschrieben
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Austausch mit der Ukraine: eine Reise, die unter die Haut ging
"Vitaly war im wahrsten Sinne des Wortes unser selbsternannter Night-Guide", sagt Christian. Mehrmals nahm er die beinahe zweistündige Fahrt zwischen Kiev und Tschernihiw in Kauf, um seine deutschen Freunde ab dem Abendessen zu begleiten und gemeinsam den Abend zu verbringen. Auch Dimitri habe als "Reise­leiter" enorm viel Zeit- und Planungsaufwand in die Reisevorbereitung investiert, sagt Christian. Er weiß durch die Betreuung verschiedener inter­natio­naler Gruppen in Mönchengladbach selbst, was das heißt. Ein besonderes Highlight: Dimitri lud die Gruppe der dbb jugend nrw sogar zum Kaffeetrinken zu sich nach Hause ein. "Da kann man wirklich fast von einer familiären Einbindung sprechen", sagt Christian.
Auch an der Uni beim Austausch mit Studierenden
ging es um das Thema "Real News vs. Fake News"
Eine weitere wertvolle Erfahrung: offen miteinander reden und diskutieren zu können - besonders bei Input rund um das Schwerpunktthema der Austauschaktion. "Fake News versus Real News". "Das ist ein so un­glaub­lich aktuelles Thema", sagt Christian. Wie konsumieren Menschen Medien? Wie hinterfragen wir das, was Medien uns servieren? Zahlreiche Beispiele aus den russischen Medien zeigten anschaulich, wie politisch gefärbte Nachrichten ein vollkommen anderes Bild vermitteln können. "Europa und Deutschland wer­den als unsicher dargestellt. Es wird absichtlich ein Bild gezeichnet, das Überfremdung und Zerfall doku­men­tieren soll", sagt er. Nachrichten wie aus der Filterblase.

Medienblockade - Schutz oder Zensur?
Eines der Ergebnisse, das er für sich mitnimmt: "Man muss sich überall angewöhnen, nicht alles gleich zu glauben, sondern sich stattdessen zu fragen, woher die Information stammen und wem eine solche Information nutzen kann" sagt Christian und ist überzeugt: "Jedes freiheitliche System ist anfällig für solche Manipulation." Das bewusst mitzunehmen habe auch seinen Blick auf die Situation hierzulande geschärft. Auch auf den Populismus und die Medienkritik, die man beispielsweise in den USA aber auch in Deutschland antreffe, schaue er jetzt noch kritischer.

Als zweischneidig schätzt er den Weg ein, den die Ukraine geht, um sich vor russischer Propaganda zu schützen. "Die Ukraine hat russische Medien und Sender blockiert, weil sie Propaganda vermeiden will und insbesondere Soziale Medien als Instrument zur Desinformation und Beeinflussung genutzt werden können", sagt er. Was einerseits zum Schutz vor Propaganda als nachvollziehbar erscheint, wäre hierzulande als Zensur schwer vorstellbar und erscheint als großer Eingriff in die Informationsfreiheit. Obwohl in den deutschen Medien weitgehend aus der Berichterstattung verschwunden, spielt hier der fortdauernde Konflikt um die Krim die entscheidende Rolle. Neben der militärischen Seite wird dieser Krieg nach Wahrnehmung in der Ukraine durch Russland auch als medialer Konflikt geführt. So wolle man die russisch-stämmigen Bevölkerungsschichten erreichen. Es sei darum die Rede von einem hybriden Krieg, sagt Christian.
Ukraine im temporeichen Wandel

Doch nicht nur die inhaltlichen Inputs begeisterten Christian, sondern auch Erfahrungen mit Land und Leuten. "Es ist erstaunlich zu beobachten, in welch großem Tempo man in den Städten aufholt." In Parks und Innenstädten könne man kaum einen Unterschied zu anderen großen europäischen Städten entdecken. "Wer rechnet in einer ukrainischen Straßenbahn mit WLAN, wenn es in Deutschland selbst in neuen Zügen meist nicht wirklich funktioniert?", sagt er.

Auch sei interessant zu beobachten, wie intensiv in Infrastrukturprojekte und Modernisierung im ländlichen Bereich investiert werde. Vor allem sei das im Bereich der Verwaltungsneugliederung und Gebiets­zusammen­schlüssen zu beobachten, ähnlich wie in NRW bei der Verwaltungsneugliederung in den 70er Jahren.

Überall in der Ukraine wurden die jungen Gewerk-
schafter aus NRW sehr gastfreundlich empfangen
Wo gibt es den besten Borschtsch?

Eine besondere Qualifikation konnte die Gruppe bei den gemeinsamen Mittagessen erwerben: "Und zwar die als offizielle Borschtsch-Tester." Natürlich habe man bei jeder der Verkostungen bestätigen können, dass es vorher keinen besseren gegeben habe. Und so ganz unwahr war es bei all der entgegengebrachten Gast­freund­schaft nicht einmal.