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Öffentlicher Dienst: Das sind die Folgen von zu geringen Gehaltszuwächsen
08.02.2019  
Wenn in diesen Tagen in der Tarifrunde über die Rahmenbedingungen für die Arbeit im Öffentlichen Dienst verhandelt wird, dann geht es um weit mehr als eine kurzfristige Lohnsteigerung. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft. Wessen Zukunft und warum sich die dbb jugend nrw das zum Thema macht, sagt der Vorsitzende Moritz Pelzer hier.
(c) by dbb
Unter anderem fordert der dbb eine
Erhöhung der Tabellenentgelte um 6 Prozent
Wenn junge Menschen nach dem Abschluss der Schule vor der Wahl stehen, was sie beruflich aus ihrem Leben machen wollen, haben sie zigtausend Möglichkeiten. Für den Öffentlichen Dienst ist das ein guter Zeitpunkt, auf die verschiedensten Arbeitsfelder aufmerksam zu machen. Eigentlich könnte man sagen: Da ist für jeden was dabei. Doch die Wahrheit ist: Die Anzahl der qualifizierten Bewerbungen im Öffentlichen Dienst gehen zurück. Dort zu arbeiten ist nicht attraktiv.

Eine der Hauptursachen dafür: Die Verdienst­möglich­keiten sind für gute Schulabgänger in der Privatwirtschaft deutlich besser. Darum ist in der Tarifrunde eine der Forderungen, den Lohnrückstand zur Privatwirtschaft auf keinen Fall größer werden zu lassen. "Es ist an der Zeit, hier etwas zu tun", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der dbb jugend nrw.

Es ist nicht egal, wer in den Verwaltungen arbeitet
Er beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Wir sind angewiesen auf gute Köpfe - auch oder gerade in den Ver­wal­tungen", sagt er. Denn hier geht es um öffentliche Interessen - um Dinge, die jeden Menschen unmittelbar betreffen: in den Städten und Gemeinden, in denen sie leben, in ihrem Bundesland und letztlich in ganz Deutschland. Dort mitzu­gestalten, unbürokratisch zu helfen, sich mit guten Ideen einzubringen, ansprechbar für Bürgerfragen zu sein, das Wohl aller im Auge zu haben - all das gehört zu den Aufgaben der Menschen, die im Öffentlichen Dienst arbeiten.

Doch wenn Stellen frei werden, bleiben die immer öfter unbesetzt. Immer weniger Interessenten bewerben sich auf freie Ausbildungsstellen. Zudem könne man bemerken, dass die Bewerber im Schnitt weniger gut qualifiziert seien, sagt Pelzer.

2.000 offene Stellen in Köln

Eines von vielen Beispielen kann Köln sein. "Die Stadt Köln beschäftigt 17.000 Mitarbeiter. Derzeit sind dort 2.000 Stellen offen", sagt Pelzer. Um diese Situation wieder in den Griff zu bekommen, hat die Stadt sich entschieden, über 1.000 Ausbildungsstellen zu vergeben. Denn eines des Grundprobleme: Weil es nicht attraktiv ist, im Öffentlichen Dienst zu arbeiten, fehlt es an Nachwuchs, um die durch den demografischen Wandel verursachten frei werdenden Stellen neu zu besetzen.

Der Schuh drückt gewaltig. In Situationen wie den Tarifverhandlungen, die derzeit für den Öffentlichen Dienst in vollem Gange sind, sieht man schnell das Problem, das entsteht, wenn Beschäftigte in den Verwaltungen, in Krankenhäusern oder Kindertageseinrichtungen die Arbeit nicht mehr verrichten. Nur ein kurzer Streik öffnet die Augen: Ohne den Öffent­lichen Dienst geht es nicht.

Arbeiten bei den Kommunen zu wenig Beschäftigte, weil man junge Leute nicht mehr für die Arbeit dort begeistern kann, funktioniert vieles nicht mehr. Die Arbeit bleibt liegen.

Nicht nur Verdienstmöglichkeiten anpassen

"Wir müssen den Öffentlichen Dienst wieder attraktiver machen, um so junge Leute dazu zu motivieren, hier zu arbeiten", sagt Pelzer. Ansetzen müsse man bei den Verdienstmöglichkeiten, jedoch auch bei nicht monetären Faktoren wie "Verein­bar­keit von Familie und Beruf" und der "Work-Life-Balance".

"Jemand, der seine Ausbildung beginnt, achtet wieder mehr auf gesicherte Verhältnisse als noch vor einigen Jahren", sagt Pelzer, der das durch den engen Kontakt zur Basis weiß. Die Inflationsrate steige, die Mieten auch, aber die Verdienste im Öffentlichen Dienst kaum. "Es ist wichtig, dass wir weiterhin konkurrenzfähig zur Privatwirtschaft bleiben", sagt Pelzer. Dort schläft man nicht. Im Wettbewerb um die besten Köpfe biete man dort den Mitarbeitern mehr - wie beispielsweise mit der Möglichkeit, Betriebskindergärten zu nutzen, flexible Telearbeit und vielem anderen mehr.

Wie der Öffentliche Dienst sich selbst kanibalisiert

Und was macht der Öffentliche Dienst? "Er kanibalisiert sich selbst", sagt Pelzer. Denn innerhalb Deutschlands gibt es 17 verschiedenen Besoldungstabellen. Der Bund hat eine und jedes Bundesland wiederum seine eigene. Selbst inner­halb des Öffentlichen Dienstes bekommt man also für dieselbe Arbeit nicht zwangsläufig dasselbe Geld. "Ein verrückter Zustand" sagt Pelzer. Ebenfalls verrückt: Ein Handwerksmeister bekommt beispielsweise im Öffentlichen Dienst nicht mehr Geld als ein Pförtner, der eine Erschwerniszulage erhalte. Manchmal habe ein Pförtner allerdings nicht einmal eine spezifische Ausbildung. Ein Meister hingegen hat viel Geld und Zeit in seine qualifizierte Ausbildung gesteckt. Auf dem freien Markt lasse sich bedeutend mehr Geld verdienen.

"Attraktivität des Öffentlichen Dienstes" - so lautet das Jahresthema der dbb jugend nrw
Um solche Probleme nicht größer werden zu lassen, sei es dringend nötig, dass der Öffentliche Dienst nicht weiter dabei zuschaue, wie beste Köpfe von der Wirtschaft eingestellt würden. Es müsse ein Plan entworfen werden, was sich im Öffentlichen Dienst tun müsse. "Wir haben darum die Attraktivität des Öffentlichen Dienstes für uns zum Jahresthema gemacht", sagt Pelzer.

Im Jahresverlauf will die dbb jugend nrw nicht nur auf das Problem aufmerksam machen, sondern mit konkreten Vor­schlägen in Gespräche mit der Politik gehen.