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"Wie komme ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!"
11.10.2019 [Ein Teilnehmerbericht von Claudia]
"Wie komme ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!" (Friedriche Nietzsche)

Die alljährliche Alpen-Exkursion der dbb jugend nrw führte im August 10 Wanderbegeisterte nach Wertach ins Allgäu. Wie es gelang, trotz unterschiedlicher Vorstellungen einen gemeinsamen Nenner zu finden und in kürzester Zeit als Gruppe zusammenzuwachsen, berichtet uns Teilnehmerin Claudia:

Mit 10 Teilnehmer/innen ging die dbb jugend nrw
auch in diesem Jahr wieder auf Alpenexkursion
Im August machten sich zehn motivierte Bergbegeisterte aus den verschiedensten Bereichen der dbb jugend nrw auf in das schöne Wertach im Allgäu. Unter dem Titel "Erlebnispädagogische Exkursion in den Alpen" wurde die Veranstaltung angeboten. Beim Vortreffen im Mai lernte sich bereits ein Teil der Gruppe kennen und es war klar: Wir werden gut vorbereitet ins Allgäu fahren.

Zehn Teilnehmer, unterschiedliche Erwartungen, unter­schied­liche Voraussetzungen, zum Teil gesund, zum Teil noch in der Erholungsphase von Verletzungen, unter­schied­liche Vorlieben bei den Strecken und im sportlichen Anspruch. Gemeinsam in nicht mal ganz fünf Tagen als Gruppe zusammenwachsen? Wie kann das funktionieren?

Am ersten Tag ging es los mit strahlend blauem Himmel bei 27 Grad. Uns erwartete eine prämierte Tour in Österreich. Startpunkt der Tour war das Tannheimer Tal. Mit einer gemütlichen Fahrt mit der Seilbahn begann unsere Wanderung hinauf zum Neunerköpfle auf 1862 Meter. Ein herrlicher Ausblick und ein zunächst wenig anstrengender Weg. Dem Vorschlag unseres Berg­führers Markus Klügel, die Sulzspitze mitzunehmen, stimmten alle zu - und schon gab es den ersten Gipfel, der gemeinsam erklommen wurde. Jeder nahm sich die Zeit, die er brauchte und gemeinsam nahmen wir nach einem weiteren Anstieg den ersten See in Augenschein.

Das nächste Etappenziel war die Landsberger Hütte, in der wir uns erstmal von den ersten Anstrengungen erholen konnten und uns mit einer ordentlichen Brotzeit versorgten. Nachdem alle gestärkt waren, ging es nun 900 Höhenmeter bergab. Keine leichte Heraus­forderung, jedoch mit stetem Blick auf den wunder­schönen Vilsalpsee sehr gut zu meistern. Unten angekommen hieß es nun: Hoffen, dass uns noch ein Bus bis zum Ausgangsparkplatz fährt. Ein Bus kam nicht mehr, dafür eine alte Bimmelbahn, die uns bequem zum Ausgangspunkt zurück brachte. Geheimtipp für diese Tour bei gutem Wetter: Badesachen nicht vergessen, um nach getaner Arbeit sich nochmal im See abkühlen zu können!

Gipfelglück auf der Sulzspitze (2084 HM)
Am zweiten Tag wurde Regen angesagt, sodass wir uns entschieden, eine Klamm zu besuchen. Dort angekommen, stellten wir fest, dass diese geschlossen hatte. Ein Glück, dass wir zwei Schwestern dabei hatten, die in der Region heimisch sind und uns mit Insidertipps versorgen konnten. Nächster Halt war die Sturmannshöhle. Durch die Höhle hinab bis zu einem reißenden Fluss auf schmalen und engen Wegen: ein beeindruckendes Erlebnis!

"Das Wetter in den Bergen schlägt schnell um" - unser großes Glück, sodass wir am Nachmittag noch eine Wandertour machen konnten. Welche Tour ist nur dann spontan die Beste? Durch Erfahrene in der Gruppe hatten wir Touren zur Auswahl und da das Kriterium: "Alle sollen mitgehen können" galt, war eine Tour schnell gefunden. So wanderten wir von der Sturmannshöhle bis zur Judenkirche, ein großer Steinbogen der den Blick auf die Skisprungschanze nach Oberstdorf frei gibt. Ein perfekter Ort, um eine Mittagspause zu machen.

Und schon sind wir am letzten Tag angekommen. An diesem Tag konnten wir nun nicht darauf hoffen, dass das Wetter umschlägt. Da brauchte die Gruppe nochmal die Unterstützung durch unseren Gruppenleiter, damit es zu einer Entscheidung kommt. Letztlich fuhren wir in ein wunderschönes Wasser- und Thermalbad. Es fanden sich schnell Untergruppen, die gleiche Interessen hatten. Sauna oder Entspannung im Thermalbad: eine erholsame Zeit nach der Anstrengung der letzten Tage.


Eine absolute Traumtour in den Tannheimer Bergen: die Drei-Seen-Tour
Zur Ausgangsfrage zurück: Wie schafften wir es also, eine Gruppe zu bilden? Und wie bilden sich Gruppen? Angeleitet durch Markus Klügel aus der dbbjnrw-Geschäftsstelle und Teresa Froitzheim von der Landes­jugend­leitung saßen wir abends im Seminar zusammen und lernten die unterschiedlichen Gruppenphasen nach Tuckman kennen und durchdachten, in welcher Phase wir uns befinden. So stellten wir fest, dass wir die "Forming Phase" also die Orientierung und Ein­schätzung anderer in der Gruppe, sowie die "Storming Phase" - übersetzt die "Nahkampfphase", im Sinne einer Rollenverteilung in der Gruppe - schnell durchlaufen hatten. Nach unserer Einschätzung befanden wir uns bereits am zweiten Abend in der Organisationsphase (3. Phase) oder vielleicht der Integrationsphase (4. Phase), in der die Gruppe sich selbst organisieren kann und gemeinsam Entscheidungen ohne Eingreifen eines Anleiters trifft.
Letztlich reflektierten wir, dass ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben - gemeinsam eine schöne Zeit mit dem Wandern zu verbringen - als sehr hilfreich gesehen wurde. "Sponti" sein, sich anzupassen und die Vorschläge von Gruppenmitgliedern aufzunehmen sind wohl förderliche Aspekte, um als Gruppe gemeinsam Entscheidungen treffen zu können.

Am letzten Abend beschäftigten wir uns mit dem Thema der Selbstmotivation. Ein Thema, welches sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen lässt. Gegenseitig bereicherten wir uns mit unseren persönlichen Strategien der Selbstmotivation: beim bergauf laufen, bergab laufen vorstellen, die Strecke in kleinere Unterziele einteilen, sich ablenken oder an frühere Erfolge denken. Um die zuletzt genannte Strategie zu bestärken, schenkte uns Markus eine Imaginationsübung, mit der wir gestärkt auch für andere Herausforderungen uns selbst in einen emotionalen Zustand versetzen können, um uns selbst zu motivieren, unsere Ziele zu erreichen.

Im Gesamten lässt sich sagen, dass es erstaunlich ist, in welch kurzer Zeit sich eine Gruppe bildet und funktionsfähig wird. Gemeinsame Zielsetzung, gute Anleitung im richtigen Maß, die Fähigkeit der Rücksichtnahme, Strategien zur Selbstmotivation und gemeinsame Erlebnisse bei herrlicher Natur, scheinen ein gutes Rezept für das Gelingen eines Teams zu sein.