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Fake News vs. Real News: dbb jugend nrw stellt 8-tägiges Fachprogramm auf die Beine
29.10.2019  
Für sechs Fachkräfte aus der Ukraine stellte die dbb jugend nrw Mitte September ein 8-tägiges Fachprogramm zu­sammen. Bei vielen spannenden Terminen in Essen, Düsseldorf, Köln, Mettmann, Bonn und Aachen drehte sich alles um das Thema "Fake News vs. Real News".

Wo sucht man heutzutage nach Informationen? Na klar, im Internet. Mal kurz googlen, mal eben etwas auf Wikipedia nachschlagen - mit dem Smartphone auch unterwegs gar kein Problem. Über Social Media-Kanäle geht es noch einfacher: Hier bekommt man seine Informationen sogar schon vorsortiert und mundgerecht serviert. Doch immer häufiger mischen sich Halbwahrheiten, Mutmaßungen und absichtlich gefälschte Meldungen in den Nachrichtenstrom, die bewusst lanciert werden, um uns zu manipulieren. Oft verbreiten sich diese "fake News" rasend schnell, beeinflussen unsere politische Haltung und gefährden damit die Demokratie und ihre Werte. Wie man fake News erkennen und einen kritischen Umgang mit Informationen erlernen kann, war Gegenstand des Fachprogramms, das die dbb jugend nrw für den Besuch einer Delegation aus der Ukraine auf die Beine gestellt hatte.

In Essen besuchten die ukrainischen Fachkräfte
das Recherchezentrum "Correctiv"
Der erste Termin des Fachprogramms führte die Gruppe vom langjährigen ukrainischen Partnerverband der dbb jugend nrw zum Recherchezentrum "Correctiv" nach Essen. Hier werden Nachrichten untersucht und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Das Recherchezentrum klärt zusätzlich auf, worauf man achten kann, um falsche Nachrichten zu entlarven. Correcitv finanziert sich ausschließlich aus Spenden, um unabhängig und investigativ berichten zu können - immer mit dem Ziel, zu informieren und Debatten anzustoßen, die im Idealfall Missstände beheben. Neben der Aufklärung haben sich die Journalisten bei Correctiv Medienkompetenz­förderung auf die Fahnen geschrieben. Sie beziehen Bürgerinnen und Bürger mit ein und veranstalten Workshops zur Recherchearbeit.
Algorithmen helfen bei der journalistischen Arbeit

Auch die Journalisten bei der Zeitung "Rheinische Post" stehen tagtäglich vor der Herausforderung, Falsch­nachrichten von echten Meldungen zu unterscheiden. Wie sie arbeiten, worauf sie achten und wie sie bei ihrer Recherche vorgehen, erfuhr die Gruppe bei einem spannenden Besuch im Verlagsgebäude und der Nachrichtenredaktion. Auch über das preisgekrönte "Listening-Center" der Rheinischen Post lernte die Gruppe eine ganze Menge. In Echtzeit analysieren die Algorithmen des Centers, welche Themen, Nachrichten und Personen im Verbreitungsgebiet der Zeitung im Netz eine Rolle spielen.

Internet ist kein rechtsfreier Raum

Auch der Rheinischen Post stattete
die Gruppe einen Besuch ab
Obwohl es manchmal scheint, als sei das Internet ein rechtsfreier Raum, überzeugte sich die Gruppe bei mehreren Terminen vom Gegenteil - so zum Beispiel beim Besuch bei der Zentralen Ansprechstelle für Cyberkriminalität, die bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelt ist. Deren Arbeit umfasst viele Bereiche wie die Verfolgung von Cyberangriffen auf Stromversorger und kriminelle Handlungen im Darknet. Als jüngstes Dezernat ist das für Hasskriminalität einge­richtet worden. Beleidung und Verleumdung in sozialen Medien oder Kommentarspalten sind inzwischen an der Tagesordnung. Statt diese Beiträge einfach zu löschen, hat sich die Ansprechstelle mit der Polizei, verschiedenen Medienkonzernen, dem Landeskriminalamt und weiteren Partnern zusammengeschlossen, um diese Taten einzu­dämmen. Täter sollen sehen, dass auch im Internet Gesetze gelten und ihr Handeln Konsequenzen hat. Und auch Betreiber von Internetseiten mit Kommentarspalten sollen darin geschult werden, besser abschätzen zu können, welche Aussagen unter die Meinungsfreiheit fallen und welche illegal sind. Diese Kooperation ist äußerst erfolgreich und hat schon zu einigen Verurteilungen geführt - beispielsweise wegen Volksverhetzung.

Der Landesmedienanstalt NRW - die auch zu diesem Bündnis gehört - stattete die Delegation aus der Ukraine eben­falls einen Besuch ab. Die Medienanstalt überwacht unter anderem, ob private Fernseh- und Radiosender die Vorgaben zum Jugendschutz und zur Menschenwürde einhalten. Bei Verstößen drohen den betreffenden Sendern Strafen. Werden dort unabsichtlich falsche Informationen verbreitet, verpflichtet die Landesmedienanstalt die Sender zur Richtigstellung; bei absichtlicher Verbreitung falscher Informationen drohen auch hier Strafen. Zusätzlich arbeitet die Landesanstalt auch an der Förderung von Medienkompetenz besonders bei Kindern und Jugendlichen. Sie veröffentlicht zudem Leitfäden zur Mediennutzung für Eltern und Fachkräfte.

Manche Fake News fangen klein an

Marcel Huckel (2.v.r.) ermöglichte einen
tiefen Einblick in die Arbeit der Polizei
Auch die Polizei ist in ihrer täglichen Arbeit mit Fake News konfrontiert und ebenso gefordert, nur einwand­freie Informationen an Presse und Öffentlichkeit weiterzugeben. Marcel Huckel - Stellvertretender Landesjugendleiter der dbb jugend nrw und selbst Polizeibeamter - ermöglichte den Gästen einen tiefen Einblick in die polizeiliche Arbeit. Beim Besuch der Polizei­dienststelle in Mettmann erläuterte der örtliche Pressesprecher wie Informationen generiert und archiviert werden, um Fehler bestmöglich auszu­schließen. Insbesondere mit der Betreuung der sozialen Netzwerke sei die Arbeit in den letzten Jahren viel umfangreicher geworden. Manchmal fingen Falsch­meldungen klein an, erfuhr die Gruppe: So käme es immer wieder vor, dass Eltern in sozialen Netzwerken vor einem Mann in einem "weißen Bulli" warnten, der Kinder anspreche und zum Einsteigen in seinen Lieferwagen überreden wolle. Auch wenn es solche Fälle geben mag - die Geschichte mit dem weißen Bulli kursiert seit dem Jahr 2012 in unterschiedlichen Varianten im Netz und hat sich als Falschmeldung entpuppt. Sie taucht dennoch immer wieder auf, weil sich Eltern mehr Polizeipräsenz vor der Schule ihrer Kinder wünschten oder weil ihnen ihre Kinder davon erzählt haben. Die Polizei prüfe dann zunächst einmal, ob es am Vortag eine Infoveranstaltung an der Schule gegeben habe, in der Kindern erklärt wurde, sich nicht von Fremden ansprechen zulassen und solche Fälle sofort zu melden. Häufig ließe sich ein Verdacht so bereits ausräumen.
Bundeszentrale für Politische Bildung verbreitet Verschwörungstheorien

Das sorgsam ausgearbeitete Fachprogramm führte die Gruppe auch nach Bonn zur Bundeszentrale für Politische Bildung, bpb. Unter dem Namen "Wahre Welle TV" verbreitete die bpb im Jahr 2018 Videos zu Verschwörungstheorien, z.B. zum 11. September oder Chemtrails. Erst vier Tage später gab sich die Bundeszentrale als Urheberin zu erkennen. Inkognito konnten so User erreicht werden, die sonst keine Angebote der bpb nutzen. Die bpb konnte außerdem illustrieren, wie schnell sich Falschmeldungen verbreiten und wie wichtig es ist, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Auch mit anderen Formaten verbreitet die bpb diese wichtige Botschaft: So arbeitet die Bundeszentrale mit einem bekannten YouTuber an dem Format "Fake Filter". In kurzen Videos klärt dieser über Fake News auf, erläutert, wem Falschmeldungen nützen und wie man sie erkennen kann.
Beim Aufenthalt der Ukrainer in Aachen sorgte die örtliche Kreisjugendgruppe dafür, dass auch kulturelle und kulinarische Erfahrungen im Programm nicht zu kurz kamen: Die Jugendgruppe organisierte die Teilnahme am Sommerfest der StädteRegion Aachen mit Begrüßung der Gäste durch den Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier, eine Führung durch das Aachener Rathaus, einen Besuch im Eifelstädtchen Monschau inklusive Schifffahrt auf dem Rursee sowie die Einkaufs­möglichkeit beim Lindt Werksverkauf, die von den Gruppenmitgliedern ausgiebig genutzt wurde. Traurige Gesichter gab es nur einmal - nämlich am letzten Programmtag bei der Verabschiedung in Düsseldorf. Alle Beteiligten freuen sich schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

In Alsdorf traf die Gruppe Städteregionsrat
Dr. Tim Grüttemeier (ganz rechts)