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Wie der Öffentliche Dienst sexy werden könnte
17.12.2019  
Hierarchische Strukturen, technische Schildbürgerstreiche und Arbeitsgeräte wie aus einer anderen Zeit - wie ein Traum­arbeitsplatz hört sich das nicht gerade an. Die Folge: Es gibt zu wenig Nachwuchs. Was passieren muss, damit dem Öffentlichen Dienst nicht die Luft ausgeht.

Die alten Tafeln sind abmontiert, neumodische Touch-Screens wurden angeschafft - doch es gibt kein WLAN. Was sich anhört wie ein Schildbürgerstreich, ist Realität an vielen Schulen in NRW. Der Grund: Die Digitalisierungsoffensive hat zwar dazu geführt, dass die altgedienten Kreidetafeln neuen Technologien weichen, "aber die Reihenfolge ist falsch", sagt Vorstandsmitglied der dbb jugend nrw Saskia Bläsius.
Digitalisierung - auch hier fehlt es an Speed

E-Mails auszudrucken und abzuheften, das mag über­zogen wirken. Doch hört man sich unter den Beschäf­tigten im Öffentlich Dienst um, zeigt sich: Ein Witz ist das nicht wirklich. Von innovativer Denke sind solche Beispiele meilenweit entfernt. Digitale Verwaltung von Daten und Informationen über E-Akten halten zwar Einzug - Das Bundesjustizministerium machte 2018 einen ersten Vorstoß, einige andere Bundesbehörden folgten und auch einige Kommunen erproben das Konzept. "Doch dies sind nur Pilotprojekte", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der dbb jugend nrw. Es wäre nötig, die Digitalisierung weiter voranzubringen. Es fehle jedoch an Speed im Gesamtkonzept, mahnt der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Beamten­bund­jugend.

Das Problem nämlich: Gute Ideen gibt es in den öffentlichen Verwaltungen durchaus, doch die Um­setzung braucht zu lange. Das führt dazu, dass der Öffentliche Dienst den Ruf, angestaubt zu sein, nicht so recht loswird. Bei der Wahl zwischen einem alther­gebrachten und einem technisch modern aus­ge­statteten Arbeitsplatz, an dem man flexibel und räumlich unabhängig agieren kann, ziehen die Verwaltungen den Kürzeren.
(c) Mitglieder der dbb jugendRechenmaschine: Noch heute beim Zoll in Gebrauch
(c) Mitglieder der dbb jugend
Lokomotive Baureihe 110 Baujahr 1952: täglich im Einsatz als Regionalbahn zw. Bonn und Wuppertal
"Museum oder Wirklichkeit?"

Rechenmaschinen wie aus einer anderen Zeit, ein Lokführerstand wie aus einer Museumslok, ein Akten­schrank wie anno dazumal. Mit Fotos von solchen realen Arbeitsmitteln und Arbeitsausstattung ging die dbb jugend (Bund) anlässlich ihrer Ausbildungs­offensive im August auf die Straße. Dort hielten die Gewerkschafter die Fotos, die allesamt von den Arbeitsplätzen junger Mitglieder stammten, Politikern und Bürgern in Schwerin unter die Nase. Die dazu gestellte Frage: "Museum oder Wirklichkeit?"
"Die Passanten waren geschockt", erzählt Karoline Herrmann, Vorsitzende der dbb jugend (Bund). Politikern wie beispielsweise dem Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Reinhard Meyer sei das Problem hingegen meist sofort bewusst gewesen. "Leider fehlt es am Anstoß, das zu verändern", moniert Herrmann. In verschiedenen politischen Gremien setzt sich der Verband darum für eine konsequente Digitalisierung ein.

iPads für die Azubis

Ein Beispiel dafür, wie es gelingen kann, gibt Vorstandsmitglied der dbb jugend nrw Jennifer Ferdinand: "In der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung bekommen die neuen Anwärter und Azubis zum Ausbildungsbeginn ein iPad." Auch bei der Polizei NRW setzt man fortan auf neue technische Ausstattung. Nach einer achtwöchigen Testphase in Dortmund, Recklinghausen und Wesel bekommt die Polizei in NRW nun flächendeckend moderne Smartphones. "Rund 20.000 alte Tastenhandys werden gegen Smartphones ausgetauscht", sagt Vorstandsmitglied der dbb jugend nrw Marcel Huckel.

Polizei NRW wird zur bestausgestatteten Polizei in Deutschland

"Damit werden wir im Bereich der mobilen Kommunikation die bestausgestattete Polizei Deutschlands sein. Wir bringen die Technik an den Einsatzort und nicht den Einsatzort zur Technik", sagte Minister Herbert Reul bei der Präsentation der Smartphones bei der Dortmunder Polizei im Juni dieses Jahres.

Der Jubel über die neue Technik zeige jedoch in Wahrheit, welchen Aufholbedarf der Öffentliche Dienst hat, sagt Pelzer. Dennoch sieht er es - wie sein Vorstandskollege Huckel - als wichtigen Vorstoß an. Über einen Messenger mit anderen Kollegen kommunizieren zu können, aber auch Daten über eine spezielle App mit dem polizeilichen Datenbestand abgleichen zu können werde die Arbeit der Polizei vereinfachen. "In einem nächsten Schritt soll die Identifikation von Personen durch ihren Fingerabdruck möglich werden", sagt Huckel zu dem insgesamt 50 Millionen Euro teuren technischen Renovierungsprojekt der Polizei.

Viel Nachholbedarf, aber richtige Ideen


Allein mit einem Vorantreiben von Digitalisierung und Breitbandabbau allerdings sei es nicht getan. "Oft fragen junge Menschen in Vorstellungsgesprächen gleich nach den Entwicklungsmöglichkeiten", sagt Ferdinand. Sie war lange im Ausbildungsreferat tätig und kennt darum die Inhalte, auf die Schulabgänger ein Auge haben. Ihrer Meinung nach sei es darum wichtig, die hierarchische Struktur im Öffentlichen Dienst durchlässiger zu gestalten.

"Junge Menschen möchten an ihrem Arbeitsplatz selbst die Chance haben, Verantwortung zu übernehmen und nicht alles hochgeben zum Chef", gibt sie konkret als Beispiel. Daneben sieht Pelzer zahlreiche andere Bereiche, in denen dringend nachgebessert werden müsse, um den Öffentlichen Dienst für junge Bewerber attraktiver zu machen. "Es muss deutlich mehr Fortschritt Einzug halten", sagt er. In vielen Dienststellen herrsche Arbeitsplatzknappheit. Warum also nicht Desk-Sharing-Modelle entwickeln, Arbeit zu Hause fördern und nebenher ein positives Zeichen in Sachen CO2-Emissionen, nerviger Parkplatzsuche und sich stauendem Pendelverkehr setzen?

"Es gibt Bewegungen in die richtige Richtung, das sehen wir an vielen Stellen", sagt Pelzer. Aber es sei noch Platz für mehr, um jungen Menschen zu zeigen, dass auch der Öffentliche Dienst ein attraktiver Arbeitgeber sei.