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Blick hinter die Kulissen: "inside.rathaus"
20.12.2019  
Aktenberge, grauer Alltag und Stempelfrust - mancher denkt so von außen betrachtet über die Arbeit im Öffentlichen Dienst. Wie anders die Wirklichkeit sein kann, zeigt ein Blick nach Laatzen. Denn in dieser 45.000 Einwohner-Stadt in der Nähe von Hannover ist eine junge Frau mit einem spannenden Blog an den Start gegangen.

Laatzen, Laatzen - wo ist eigentlich Laatzen? Okay, wir geben es zu: Wir hätten uns im Leben nicht für die nieder­sächsische Gemeinde interessiert. Doch dann erschien Julia mit ihrem Instagram-Blog "inside.rathaus" auf unserem Social-Radar. Darin schreibt sie aus ihrer eigenen Sicht, aus vollem Herzen und unglaublich authentisch, was sie bei ihrer Arbeit für die Kommune bewegt.

Sozialamt - super Gefühl

Julia Derabin bloggt über Leben und
Arbeiten - im Öffentlichen Dienst - in Laatzen
"Hab heute gearbeitet, bin unheimlich zufrieden mit mir selbst, immer viel zu tun im Sozi, allerdings weiß man am Ende, was man getan hat, ein super Gefühl!", lässt sie zum Beispiel die Welt unter den Hashtags #ichliebemeinenjob #meinestadt an einem Samstag im Oktober wissen. Wie jetzt? Super Gefühl? Sozialamt? Gerne dort arbeiten? Was ist da los?

Julia Derabin, 30 Jahre alt. Die Stadt, in der sie lebt und arbeitet, ist nicht so bekannt wie Paris, nicht so strahlend wie New York oder so umtriebig wie Tokyo. Aber "Laatzen ist seit nun sechzehn Jahren meine Stadt", schreibt die aus der Ukraine stammende Bloggerin. Die Arbeit verlange ihr ordentlich etwas ab, sagt sie im Gespräch mit uns. Auch wenn man unter Strom arbeite, sei Sorgfalt gefragt, denn "es geht um Menschen am Existenzminimum".

Dank für respektvollen Umgang
Zuletzt habe ihr jemand gedankt, dass sie so respektvoll mit ihm umgegangen sei, räumt sie nicht ohne Stolz ein. "Ich finde es schade, dass viele Leute Angst vor dem Amt haben", sagt Julia. Sie versucht das mit allen Kräften zu revidieren. "Wir sehen uns als Dienstleister. Es ist unser Job, jemanden der Gesetzgebung entsprechend zu beraten und zu unterstützen."

Mit dieser Sichtweise und ihrem täglichen Handeln macht sie klar, dass die Arbeit im Sozialamt nicht irgendein Beruf für sie ist. - Und das in einer Zeit, in der der Öffentliche Dienst von vielen jungen Menschen als Arbeitgeber für unattraktiv gehalten wird und besonders Arbeitsbereiche wie Sozial- und Arbeitsämter oder Ausländerbehörden nicht die beliebtesten sind.

Julia kennt sie auch, diese Tage, an denen man gut gelaunt ins Büro kommt - und dann: "Ein Kunde rastet aus und beschwert sich über jemanden (vielleicht sogar über euch selbst) beim obersten Chef. Eine Kollegin dreht durch. Auf der Chefebene finden merkwürdige Entscheidungen statt. Und ihr mittendrin. Und ihr so: HÄÄÄÄ??? Bin ich etwa im falschen Film?"

"Leider kenne ich auch Gewalt"


Neben überschwänglicher Laune und einem positiven Blick auf ihre Arbeit kennt die junge Frau auch die Momente, in denen trotz großer Empathie und Einfühlungsvermögen die Emotionen auf der anderen Seite überkochen. "Leider kenne ich auch Gewalt", sagt sie. Zwar seien die meisten ihrer Kunden nett oder mindestens neutral, doch einmal war es anders. Sie wurde angegangen.

Darum seien Konzepte zur Vor- und Nachsorge durch den Arbeitgeber wichtig - und eine eigene gute Einstellung: "Denn nicht jeder, der dir heute blöd kommt, wollte dich verletzen." Wer andere schlecht behandle, sei meist in erster Linie mit sich selbst und seiner Situation unzufrieden. Ihr Tipp dazu: "Wenn dich jemand verletzt, dann bist du derjenige, der sich verletzten lässt", so jedenfalls hat es ihr Kampfsporttrainer einst eingetrichtert. Ihrer eigenen Erfahrung nach werde jemand, der ausgeglichen sei, nie verletzend werden. Wenn Kunden ihr gegenüber unverschämt reagieren, versucht sie immer daran zu denken. "Wenn jemand 'Arschloch' zu mir sagt, dann meint er es meist nicht persönlich", sagt sie.

Was aber findet Julia so besonders an der Arbeit im Öffentlichen Dienst? "Ich liebe es total, dass im #RathausLaatzen flexible #Arbeitszeiten sind." Flexibel zu sein, das bedeute für sie mehr Lebensqualität und eine bessere Work-Life-Balance, schreibt sie in ihrem Blog. Oft freut sie sich nach den langweiligen Sonntagen auf die Montage. Dass es bald vielleicht eine Dienstanweisung geben soll, die ein Hundeverbot ausspricht, findet sie schade. Denn Julia hat nicht nur selbst einen Hund. Der ist freilich zumindest in ihrer Story nur außerhalb des Büros zu sehen. Manchmal verschenkt sie auf ihrem Instagram-Profil Ausblicke aus ihrem Bürofenster oder postet mit einem Augenzwinkern und einem Bild von Stempeln und Kugelschreiber ein wenig Büroromantik.

"Ich wollte erzählen, wie es in der Verwaltung so ist"

Warum eigentlich? "Weil ich den Menschen zu Beginn des Blogs einfach mal so erzählen wollte, wie es in der Ver­wal­tung so ist", sagt Julia. Dazu gehören auch miese Tage, an denen sie bloggt, dass sie die Arbeit in den Feierabend begleitet habe. In drei Monaten, die ihr Blog jetzt alt ist, macht sie auch die Erfahrung, dass es nicht immer einfach ist, den Spagat zwischen Datenschutz und Subjektivität zu schaffen. Schon nach den ersten Posts hatten die ersten sie über ein Bild vom Bürofenster aus identifiziert. Zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand wie sie aussieht oder geschweige denn heißt.

"Nachdem mich aber die ersten identifiziert hatten, fand ich es doof, es die andern nicht wissen zu lassen", erklärt uns Julia. Nach ihrem Outing verändert sich der Blog nun. Inzwischen hat sie nicht nur ihren Namen gepostet, sondern den Blog umbenannt. Er heißt nun wie sie: "juliaderabin" und ist persönlicher geworden. Wie genau, das kannst du dir ja auch selbst mal anschauen. Im Moment hält Weihnachtsstimmung mit Höhen und Tiefen Einzug…

#merrychristmasjuliaderabin #merrychristmasdbbjnrw