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Sicherheitskonferenz: Experte berichtet über Folgen von Gewalt
18.06.2020  
Gewalterfahrung - sei es durch Beschimpfung, Bedrohung oder körperliche Attacken - ist für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst keine Seltenheit. Was genau passiert hinter Bürotüren und auf der Straße? Und was kann das für Folgen haben? In der Sicherheitskonferenz der dbb jugend nrw am kommenden Samstag geht es um Antworten auf diese Fragen.
Innerhalb einer Arbeitswoche hat ein Polizist laut Expertenschätzung drei traumatisierende Erfahrungen. Auch Feuer­wehr­leute und Rettungskräfte gehen in ihrem Beruf besonders häufig an ihre psychischen Grenzen. Schwerverletzten zur Hilfe zu eilen, Menschen in Todesangst zu sehen und vielleicht nicht helfen zu können - das sind Horrorvorstellungen.

Gewalterfahrungen hinterlassen manchmal tiefe Wunden

Was jedoch wenige im Blick haben: Manchmal sind es die Erfahrungen, dass ihnen selber Gewalt angetan wird, die Menschen in diesen Berufen und auch in anderen Beschäftigungsfeldern des Öffentlichen Dienstes an ihre Belastungs­grenze bringen. Solche Erfahrungen hinterlassen Wunden, die von außen nicht sichtbar sind.

Dauernde Beschimpfungen, eine Bedrohung, ein körperlicher Angriff oder das Erlebnis, bei einem Sturm von Aktivisten ins Rathaus dabei gewesen zu sein, können sehr belastend sein. Nicht immer nehmen die Betroffenen das in der jeweiligen Situation selbst so wahr. Manchmal dauert es Tage, manchmal Wochen, bis sie bemerken, dass das Ereignis mehr in ihrem Leben verändert hat, als sie eigentlich gedacht haben. Manchmal werden sie darüber krank.

Anlaufstelle für Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst

Sven Steffes-Holländer ist Psychotherapeut und Chefarzt der psychosomatischen Klinik Heiligenfeld in Berlin. Diese ist unter anderem spezialisierte Anlaufstelle für öffentlich Beschäftigte, die Hilfe suchen.

Traumatisierung, Posttraumatische Belastungsstörung, Ängste, Depressionen - das Spektrum der Erkrankungen, die durch Gewalterfahrungen bei der Arbeit ausgelöst werden können, ist groß. Genau über solche Auswirkungen wird Steffes-Holländer am kommenden Samstag auf der Sicherheitskonferenz der dbb jugend nrw sprechen. Diese findet zum sechsten Mal in Folge statt. Diesmal allerdings in Anbetracht der herrschenden Pandemie in etwas anderer Form - online als Video-Konferenz.

Facharzt berichtet aus der Praxis

Der Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie wird in einem Impulsreferat seine Erfahrungen rund um die psychischen Folgen von Gewalt schildern und klar machen, wie man diese erkennen und auch behandeln kann.

Oft sind es nach Erfahrung von Steffes-Holländer nicht die Betroffenen selbst, die Veränderungen an sich feststellen. Häufig gehe der Impuls von Freunden oder der Familie aus, die Wesens- oder Verhaltensänderungen feststellen. Betroffene ziehen sich plötzlich zurück, obwohl sie immer unternehmungslustig und aktiv waren. Andere sind mit einem Mal gereizt oder gar aggressiv.

All das können Symptome nach traumatischen Erfahrungen sein. Doch selbst wenn Freunde, die Familie oder Kollegen diese Merkmale feststellen, ist die größere Hürde für viele, überhaupt Hilfe anzunehmen. Viele denken, sie seien die einzigen, die darunter litten. Aus Sorge davor, Schwäche einzugestehen und stigmatisiert zu werden, versuchen sie es hinunterzuschlucken.

Gelegenheit zum Austausch

Wie folgenreich das sein kann, schildert der erfahrene Therapeut und Dozent praxisnah zu Beginn der Sicher­heits­konferenz. Danach soll es um die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Teilnehmer/innen gehen, die sich für die Konferenz angemeldet haben. Denn was uns brennend interessiert: Wie sieht es bei euch aus? Ist in Sachen "Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst" etwas geschehen? Wo gibt es Probleme? Wo muss etwas passieren?

"Für uns als Dachverband sind das fundamentale und wichtige Fragen für unsere zukünftige politische Arbeit", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der dbb jugend nrw. Denn nur, wenn man wisse, wo der Schuh drückt, könne man etwas dagegen unternehmen. "Da, wo wir heute stehen, stünden wir nicht, wenn unsere Mitglieder nicht offen über Missstände sprechen würden", sagt Pelzer. Man habe in den letzten sechs Jahren viel erreicht.