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"In der Krise sind wir verlässlich - jetzt muss etwas folgen!"
12.04.2021  
Intensivstationen ohne Pflegekräfte: unvorstellbar. In Quarantäne zu müssen und nicht zu wissen, wie lange, was das heißt und wie es weitergeht: ein schlechtes Gefühl. Das musste in der gesamten Krisenzeit jedoch niemand haben, weil unzählige Beschäftigte im Öffentlichen Dienst vollen Einsatz gezeigt haben. Beim Landesjugendtag der dbb jugend nrw Ende April wird es darum gehen, wie sich die Arbeitgeber jetzt revanchieren können.

Erst war es die Migrationsbewegung im Jahr 2015, die viele organisatorische Herausforderungen mit sich brachte. Dann begann im März 2020 mit der Corona-Pandemie eine Krise eines Ausmaßes, das zuvor unvorstellbar war. Seitdem ist nichts mehr so, wie es war. Und doch gibt es Ankerpunkte und Menschen, die sich dafür einsetzen, Sicherheit zu geben und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen - im Öffentlichen Dienst.

"In Krisen hat sich gezeigt, wie wichtig wir sind"

In Zeiten von Veränderung und Unsicherheit in der Bevölkerung bewiesen die Beschäftigten unzähliger Bereiche des Öffentlichen Dienstes einen klaren Kopf, Organisationsgeschick. Stressresistenz und vieles mehr. Eigenschaften, die nötig sind, um auch in einer Krise noch handlungsfähig zu bleiben und mehr als 83 Millionen Menschen da zu helfen, wo öffentliche Hilfe notwendig ist: durch medizinische Versorgung und Pflege, in den Gesundheitsämtern, durch Ordnungsdienste oder durch die Polizei. "Gerade in diesen Krisen hat sich gezeigt, wie wichtig der Öffentliche Dienst ist", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw).

Am 23. April 2021 tagt der Landesjugendtag - das höchste Beschlussgremium der dbb jugend nrw
Und das gilt für alle Bereiche der öffentlichen Da­seins­für­sorge. Denn auch wenn durch drohenden medi­zi­nischen Notstand vor allem die Beschäftigten in medi­zi­nischen und pflegerischen Berufen im Blick der Öffent­lich­keit stehen, so sind im Öffentlichen Dienst unzählige Bereiche betroffen, die erst auf den zweiten Blick gesehen werden: beispielsweise in Zusammenhang mit den Überbrückungshilfen die Beschäftigten in den Finanzämtern sowie Lehrer, Erzieher oder Beschäftigte in Standesämtern - in denen neben Geburten auch Sterbe­fälle registriert und beurkundet werden. "In Summe haben sie alle mit enormem Aufwand gezeigt, wie flexibel und einsatzbereit sie sind", sagt Pelzer. Darum sei das Motto "Öffentlicher Dienst: WIR regeln das", unter das die (dbb jugend nrw ihren Landes­jugend­tag gestellt hat, unbedingt wörtlich zu nehmen.

Engagement im Job weit über das normale Maß hinaus
Nur durch unzählige Überstunden, die Bereitschaft, von jetzt auf gleich in fremden Einsatzgebieten einzuspringen oder auch das stille Einverständnis, private Endgeräte für dienstliche Arbeit zu nutzen, war dies möglich. "Viele Beschäftigte gingen hier über ihre Leistungsgrenze hinaus und versuchten, chronischen Personalmangel in den Verwaltungen durch persönliche Leistungsbereitschaft aufzufangen", sagt Pelzer. Oftmals habe sich dabei gezeigt, dass neben der un­zu­rei­chen­den personellen auch eine desolate technische Ausstattung die Arbeit erschwere. Auch sei die Arbeit ohne einen finanziellen Vorteil erbracht worden, sagt Pelzer. Immer habe das Gemeinwohl im Fokus gestanden. "Dies war auch schon 2015 der Fall, als in Nachteinsätzen ganze Turnhallen zu Unterkünften für Geflüchtete umgebaut wurden", erinnert Pelzer.

Damals wie heute habe der Staat davon profitiert, dass die Ausbildung im Öffentlichen Dienst derart breit angelegt ist, dass Beschäftigte flexibel in verschiedenen Bereichen arbeiten können. Das Problem aber: "Es muss etwas passieren, um die Arbeit im Öffentlichen Dienst attraktiver zu gestalten", betont Pelzer schon im Vorfeld des Landesjugendtages. Dieser ist das höchste Beschlussgremium der dbb jugend nrw und findet alle vier Jahre statt. In diesem Jahr am 23. April und aufgrund der Pandemie als digitale Veranstaltung. "Dennoch werden rund 100 junge Mitglieder daran teil­nehmen", sagt Pelzer. Für den Verband ist das ein wichtiges Zeichen, denn es zeigt, wie sehr den jungen Mitgliedern daran gelegen ist, die Zukunft im Öffentlichen Dienst mitzugestalten.

"Es müssen Anreize her"

Genau darum wird es im Leitantrag "Öffentlicher Dienst: WIR regeln das!" gehen. Es müsse etwas passieren, um dafür Sorge zu tragen, dass sich auch in Zukunft junge Leute für die Arbeit im Öffentlichen Dienst interessieren. "Schon lange sehen wir, dass sich viele potentielle Bewerber für Stellen in der freien Wirtschaft entscheiden, weil sie dort einfach bessere Voraussetzungen und mehr Anreize sehen", kommentiert Pelzer. Aus diesem Grund sieht er es als dringend notwendig an, sich verstärkt dafür einzusetzen, Anreize zu schaffen und so unter anderem dafür zu sorgen, dass besondere Leistung - wie die, die zum Beispiel in Krisenzeiten geleistet werde - auch angemessen honoriert werde. Zudem möchte sich die Landesjugendleitung - ein positives Votum der Mitglieder vorausgesetzt - für eine bessere Ausstattung von Auszubildenden mit digitalen Endgeräten einsetzen.

Zeitgemäß wäre aus Pelzers Sicht ebenfalls, den Beschäftigten in Tarifverhandlungen die Wahl zu lassen zwischen Freizeit oder Geld. Aus Sicht der dbb jugend nrw würde auch eine reduzierte wöchentliche Arbeitszeit die Arbeit im Öffentlichen Dienst attraktiver machen.

Klare Absage an befristete Verträge

Der Leitantrag, den der Vorstand nun zum LJT zur Abstimmung bringt, sieht daneben auch die Abschaffung von Befristungen vor. "Es passt nicht zusammen: Wir bilden junge Leute aus, die wir dringend benötigen, speisen sie dann aber mit befristeten Verträgen ab", moniert Pelzer. Besonders in Krisenzeiten wie diesen könne man zudem schmerzhaft feststellen, wie sehr es an Personal mangele. Mit auf der Agenda steht darum aus Sicht des Vorstandes der dbb jugend nrw auch die schnellstmögliche Besetzung von 13.500 unbesetzten Stellen.

"Wir wollen mit unserem Leitantrag ein deutliches Zeichen setzen - in den genannten Bereichen, aber auch in Sachen Gesundheitsförderung, Aufstiegschancen und Sicherheit", betont Pelzer. Am 23. April wird sich entscheiden, wie der Verband in diesem Vorhaben vorankommen wird.