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Großes am Start - es geht um nicht weniger als um die Demokratie
20.12.2021  
Das Misstrauen gegenüber der Politik ist groß. Während der Pandemie erst recht. Anfeindungen und Angriffe gegen Ord­nungs­amtsbeschäftigte, Polizei oder Rettungskräfte haben zugenommen. Das bringt nicht nur Menschenleben in Gefahr, sondern auch die Demokratie. Geht beides gar nicht, findet die dbb jugend nrw und geht darum bald mit einer großen Nummer an den Start.
Die stellv. Landesjugendleiterin Nicole Schorn (Mitte) inmitten der Dreharbeiten zu den neuen Videos
Im Schatten steht ein junger Mann in Polizeiuniform. Er trägt eine schwarze Maske vor Nase und Mund. Sein Atem klingt schwer. "Manche denken, ich bin das Böse. Dabei verteidige ich die Demokratie und sorge für deine Sicherheit. Ich bewahre deine Grundrechte", sagt er mit einer Stimme, die Darth Vader gehören könnte. Dann nimmt die Aufnahme eine Wende.

So startet eines von drei Kampagnenvideos, die der gewerkschaftliche Jugendverband in Kürze auf seinen Social Media-Kanälen veröffentlichen wird. Sie richten den Blick darauf, wie häufig Beschäftigte im Öffentlichen Dienst angegriffen werden und warum diese Übergriffe nicht nur Menschen in Ausübung ihres Berufs gefährden, sondern auch ein Angriff auf die Demokratie sind. "Wir brauchen diese Videos, weil wir für die Einhaltung der Grundrechte aller Bürger stehen - unsere Haltung aber von Einzelnen auf ihre eigenen Bedürfnisse hin gesehen manchmal negativ wahrgenommen werden", sagt Nicole Schorn, stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend nrw.
"Wir stehen für die Demokratie"

Ein Grund dafür: "Oft werden Politik und Öffentlicher Dienst in einen Topf geworfen", sagt Schorn. Denn zwar trifft die Politik die Entscheidungen und formt durch ihre Gesetzgebung die Rahmenbedingungen für das gesell­schaft­liche Zusammenleben. Doch sind es Millionen von Beschäftigten im Öffentlichen Dienst in Deutschland, die diese Rahmenbedingungen tagtäglich überprüfen und umsetzen.

"Wenn wir nicht fest hinter unserer Verfassung stehen, wackelt ein ganzer Staat", sagt Schorn und macht damit die Rolle der Beschäftigten als Schnittstelle zwischen Bürger und Politik deutlich. Allzu oft würden die öffentlich Bediensteten zum Prügelknaben für das Gefühl des Ein­zelnen, durch die Entscheidung der Politik unfair be­han­delt zu werden, Opfer falscher Entscheidungen oder schlechter Umstände zu sein. Misstrauen und Ver­drossen­heit machen sich breit, gepaart vom Gefühl, die Politik interessiere sich nicht für seine Bürger. Auf Grund­lage dieser Stimmung werden seit Beginn der Pandemie auch populistische Stimmen und solche aus der Quer­denker­szene besonders hörbar.

Thema der Videos: Angriffe auf öffentlich
Bedienstete sind Angrifffe auf die Demokratie
Suche nach den Auslösern der Coronawut gegen die Beschäftigten

Eine Grundstimmung, die sich auch in der letzten Shell-Jugendstudie unter jungen Menschen zeigte. Rund 50 Prozent der befragten Jugendlichen kritisierten in der repräsentativen Studie, die Regierung verschweige der Bevölkerung die Wahrheit. Gar 71 Prozent gaben an, der Auffassung zu sein, dass sich Politiker nicht darum kümmern würden, was die Bevölkerung denke.

"Wir nehmen das als einen Auslöser für das seit Beginn der Pandemie nochmals gesteigerte verbale und körperliche Aggressionspotenzial wahr", sagt Schorn. In den in Summe drei Videos, an denen Schorn zum Teil als Sprecherin oder auch Darstellerin beteiligt war, ist ihr eine weitere Message besonders wichtig: Übergriffe kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Sie sind zudem grundsätzlich nicht abhängig von Alter oder Geschlecht.

Texte lernen musste keiner

Obwohl sie - wie auch die anderen jungen Beteiligten - weder professionelle Sprecher, noch Schauspieler sind, sei es allen nicht schwer gefallen, in Rollen wie die von Sachbearbeitern einer Kommunalbehörde oder Ord­nungs­amts­mit­arbeiterinnen zu schlüpfen. "Wir haben alle Texte improvisiert. Es gab also keine festen Dialoge", erzählt Schorn. Das sei möglich gewesen, weil jeder vor der Kamera wusste, wie Übergriffe ablaufen und wie sie sich anfühlen.

"Jedes Anschreien und jede Beleidigung sind für uns Joballtag", gibt die stellvertretende Vorsitzende zu verstehen. Doch so dürfe es nicht sein. Respekt gegenüber den Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes bedeute Respekt vor der Demo­kratie. Respektlosigkeit und Gewalt hingegen stehen nach Auffassung des gewerkschaftlichen Jugendverbandes für die Nicht-Akzeptanz unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Gerade in einer Zeit, in der vermehrt Verschwörungsmythen und populistische Aussagen zu hören sind, sei es wichtig, Positionen und Argumente gegen Parolen und Populismus zu bieten, sagt Schorn und fügt bei: "Wir stehen mit allen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ein für die Einhaltung von Grund- und Menschenrechten in unserem Land."