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Warum der Öffentliche Dienst bunter werden sollte
24.05.2022  
Steuerbeamte mit polnischen Wurzeln, Polizistinnen mit türkischem Hintergrund, Kommunalbeschäftigte, deren Eltern aus Russland zugewandert sind. Der Öffentliche Dienst, der ureigenst als typisch deutsch gilt, ist vielfältig geworden. Der Anteil junger Beschäftigter mit Migrationshintergrund sollte dennoch weiterwachsen, findet die dbb jugend nrw.
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Ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Zuwanderungsgeschichte. In den Stellenbesetzungen im Öffentlichen Dienst zeigt sich das bislang aber noch viel zu wenig. Nur neun Prozent der Beschäftigten haben im Jahr 2019 einen Migrationshintergrund, wie aktuelle Zahlen des Mikrozensus zeigen. Seit 2005 hat es daran wenig Bewegung gegeben. Etwas mehr Wind in Sachen Einstellung junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte täte Not. Alleine deshalb, weil bis 2036 die Hälfte der derzeit Beschäftigten in der Öffentlichen Verwaltung in den Ruhestand gehen. Ein weiterer Grund: Personen mit Migrationshintergrund machen einen großen Teil der Bevölkerung in Deutschland aus. Inzwischen ist rund jeder Vierte zugewandert oder zählt zur 2. Generation von Familien mit ausländischen Wurzeln.

"Öffentlicher Dienst sollte Spiegel der Gesellschaft sein"

Dem versucht man mit gezielten Werbeaktionen etwas entgegenzusetzen. Die Polizei in NRW sucht schon seit vielen Jahren gezielt nach jungen Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund. 2010 startete die NRW-Landes­regierung eine Initiative, um auf die Chancen im Öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen. Die Stadt Hamburg wirbt mit Flyern um Migranten für die Stadtverwaltung. In Berlin bemüht sich das "Netzwerk für Lehrkräfte mit Mi­gra­tions­hintergrund" darum, deren Anteil zu steigern.

Das macht Sinn, findet auch Susanne Aumann, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). "Der Öffentliche Dienst sollte ein Spiegel der Gesellschaft sein. Es ist absolut wichtig, dass das so ist, denn er re­prä­sen­tiert die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger - ganz gleich welches Alter, Geschlecht oder welche Zu­ge­hörigkeit sie haben."
Mehr Akzeptanz und Kompetenz

Gemeinsam mit der dbb jugend nrw macht sich Aumann aber auch aus anderen Gründen für eine Entwicklung in diesem Sinne stark. Mehr junge Menschen mit Zu­wan­de­rungs­geschichte in Sozialämtern, im Lehrerberuf oder bei der Feuerwehr - das fördere auch die öffentliche Ak­zeptanz. "Diese Menschen haben aufgrund ihrer Her­kunft besondere Kompetenzen, die sie einfließen lassen können", betont die Chefin der dbb jugend nrw.

Ein Beispiel: Die meisten sprechen neben Deutsch die Sprache ihres eigenen Herkunftslandes oder der elter­lichen Ursprungsheimat. Das macht manches Mal die Verständigung leichter und fördert Empathie, weil es da­durch Menschen in wichtigen Schlüsselpositionen gibt, die ein breiteres kulturelles Grundverständnis mit­bringen. "Dies im eigenen Kollegenkreis zu erleben, bringt alle ein Stück nach vorn, weil es Scheuklappen öffnet", sagt Aumann. Mit Diversität könne man Her­aus­forderungen flexibler begegnen, betont sie.

Im Beamtenrecht täten Veränderungen Not

Migration ist für Susanne Aumann kein Fremdwort -
sie hat selbst ausländische Wurzeln
Es sei zudem eine Frage von eigener Haltung: Es wäre wichtig, dass die Unterrepräsentanz von Beschäftigten mit Migrationshintergrund nicht - wie leider zu oft - als Quote auf dem Papier steht und die Personalgewinnung nicht nur auf Azubimessen und über Hochglanzbroschüren stattfinde, sagt Aumann. Ein Weg dorthin sei aus ihrer Sicht, mit der Botschaft der Nachwuchsgewinnung auch in Schulen oder Integrations- und Kulturvereinen unterwegs zu sein. "Wir brauchen außerdem eine zielgruppengerechte Ansprache", betont sie. Gerade digital hänge der Öffentliche Dienst häufig hinterher.

Auch im Beamtenrecht seien Veränderungen erforderlich, wenn man diesen Weg beschreiten wolle. Es stelle sich zu eingeschränkt dar. Lediglich Deutsche und EU-Bürgerinnen und Bürger würden darin derzeit Berücksichtigung finden. "Diese rechtlichen Hürden müssten ausgeräumt werden", sagt die Vorsitzende der dbb jugend nrw.

Aumann hält diese Maßnahmen für grundlegend, um schließlich auch angesichts des vorherrschenden Personal- und Fachkräftemangels richtig zu reagieren. "Wenn man es geschickt anstellt, erreicht man zum Schluss eine Win-Win-Situation in beide Richtungen." Den Migrationsanteil bei der Besetzung von Stellen im Öffentlichen Dienst zu erhöhen, bringe nicht nur frischen Wind und ein vielfältiges Denken in den Öffentlichen Dienst. Es helfe auch, den Per­so­nal­notstand ein Stück weit auszumerzen, so Aumann.